Kiezväter (3): Dan mit Blaise

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Was Väter durch den Kiez treibt. Heute: Dan mit Blaise am Kreuzberger Zickenplatz.

Blaise_Zickenplatz

Dan mit Blaise (nicht im Bild) am Zickenplatz, der offiziell Hohenstaufenplatz heißt, im Gräfekiez in Berlin-Kreuzberg

Das da oben ist Dan. Dan ist 38 Jahre alt, arbeitet im Marketing sowie als freier Autor mit dem Themenschwerpunkt „Hydrokultur“ und kommt ursprünglich aus England. Mit seiner Frau Vicky und ihrem gemeinsamen 19 Monate altem Sohn Blaise lebt er in der Nähe von Perpignan, Frankreich, und ist aus Geschäftsgründen in Berlin (gewesen, ich traf ihn bereits im März). Seine Familie hat er mitgebracht.

Wie oft kommt es vor, dass Du mit Blaise alleine unterwegs bist?

Dan: Selten! Meine Freundin und ich arbeiten beide von zuhause aus, und Familie geht bei mir nach Möglichkeit immer vor. Wir leben auf dem Land, umgegeben von Weinbergen. Dort kann man toll spazieren gehen, das mache ich auch mit Blaise regelmäßig für ein oder zwei Stunden. Das gibt Vicky ein bisschen Zeit, um mal das Haus zu putzen! (lacht)

Erinnerst Du Dich an den besten und schlimmsten Moment, den Du als Vater jemals hattest?

Der Beste? Es wird jeden Tag immer noch besser! Der schlechteste Moment fällt mir aber direkt ein: Ich musste mal geschäftlich nach Kalifornien. Eigentlich ist das toll. Aber elf Tage weg von Blaise – und Vicky – zu sein, das war der Horror. Als ich wieder landete und ihn am Flughafen sah, stand ich bloß da und weinte und sagte mir, nie mehr so lange weg sein zu wollen. Weil die Kinder sich doch so schnell verändern! Schon in nur elf Tagen fiel mir das auf.

Die besten und schlechtesten Tipps von Freunden und der Verwandtschaft lauteten bisher… ?

Der beste Tipp kommt von mir selbst: Ich schaue nach Mom, sie schaut nach Blaise, und ich passe auf mich selbst auf. Ich finde, die Mutter sollte die erste Bezugsperson für ein Kind sein. Aber um sie muss sich auch gekümmert werden. Ansonsten: Entspann‘ dich, sei du selbst und versuche nicht vorzugeben, du seist jetzt ein Erwachsener. „Oh, ich bin jetzt ein Vater und muss mit tieferer Stimme sprechen! Und Tweed tragen!“ Nein, musst du nicht. Ich bin immer noch verrückt mit Blaise, wir tanzen jeden Morgen zu Drum-And-Bass-Musik. Er liebt das, wie sein Vater!

Das wird sich bestimmt eines Tages ändern.

Oh ja, das wird für ihn das Uncoolste überhaupt sein, Drum And Bass zu hören. Weiter zu den Tipps: Genieße einfach jeden Moment wie es nur geht. Ich kann mich glücklich schätzen, dass wir unsere eigenen Bosse sind und eine Nanny haben, die für vier Stunden vier Tage pro Woche kommt. Das gibt Vicky und mir etwas Zeit uns auf unsere Arbeit zu konzentrieren. Und das war ein toller Tipp aus dem Freundeskreis, ja.

Sonst noch was?

Wir haben Blaise bisher nicht geimpft! Wir sind nicht grundsätzlich dagegen, ich will bloß nicht mein Baby spritzen lassen, wenn es erst acht Wochen alt ist. Vielleicht machen wir es später, es ist eine Abwägung von Risiko und Vorteil.

Spätestens wenn er in den Kindergarten kommt, dürfte es Zeit werden.

Ja, oder wir fälschen die Unterlagen (lacht). Nein, bisher ist alles wundervoll: Wir füttern ihn einhundertprozentig organisch und ohne Zucker. Bisher keine Süßigkeiten!

Und er beschwert sich noch nicht?

Nein, er ist ein wundervolles glückliches Baby – bis jetzt. Schnuller sind übrigens auch super!

Unser Baby findet das nicht – er mag nur Mamas Brust und seine eigene Hand.

Ach, daraus kann ich ihm keinen Vorwurf machen! Schnuller jedenfalls sind gut, etwa für die Routine. Moment mal, jetzt gebe ich Dir ja Ratschläge! Also, ich lächle einfach, wenn Leute mir Ratschläge geben. Jeder hat so seine eigenen Methoden, aber alle Kinder sind unterschiedlich. Was für das eine Baby funktioniert, muss nicht zwangsläufig auch bei dem anderen klappen.

Erinnerst Du Dich an die Zeit vor der Geburt…

… als ich noch ein Leben hatte?

Das hast Du gesagt. Erinnerst Du Dich an die größten Ängste und Sorgen, die du hattest?

Meine größte Angst war die, dass Blaise nicht gesund zur Welt kommt. Und deshalb vielleicht nicht die Lebensqualität haben würde, die er verdient. Die andere Angst war die, dass Vicky sterben würde. Ich weiss, dass das guselig klingt.

Zum Glück ist das ja nicht passiert.

Nein. Sie hatte eine unkomplizierte, natürliche Geburt. Sie wollte zwar Drogen, aber sie hatten gerade keine! Jetzt freue ich mich auf das zweite Kind, vielleicht nächstes Jahr. Wir sind froh, dass die Schwangerschaft damals gleich geklappt hatte nach der Entscheidung, ein Baby haben zu wollen. Bei vielen Freunden ist das nicht so.

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2 Comments

  1. Die Kiezväter-Reihe finde ich richtig spannend und man liest Interviews, die man so wohl in keiner Elternzeitschrift finden würde. Ich habe noch keine Kinder, aber mich interessieren die Geschichten von jungen Vätern und welche Auswirkungen das erste Kind auf ihr Leben hatte, beruflich wie privat und ob sich das Leben durch Kinder grundlegend ändert. Da sind schon einige bemerkenswerte Interviews dabei, zum Beispiel über den Australier, der unverhofft zweifacher Vater wurde. Viele dieser Interviews zeigen mir eigentlich, dass es sich lohnt, Vater zu werden. Wenn ich allerdings lese, dass Väter aufgrund von Elternzeit gekündigt wurden, finde ich das schon ziemlich erschreckend und hätte nicht gedacht, dass das möglich ist.

    • Hallo Lars, danke für Deinen Kommentar – schön, dass Dir die Interviews gefallen. Das sage ich besonders deshalb, weil genau das, was Du schreibst, eine meiner Absichten ist: Menschen, die erst noch Väter werden, wenigstens ein paar Sorgen nehmen. Ich hatte vor der Geburt von Kid A nämlich selbst genug, oft natürlich egoistische. Nicht, dass nach der Geburt alle Sorgen und Ängste verschwunden wären, aber das ist ein anderes Thema ;-). Grüße, fabian.

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