Kiezväter (8): Manuel mit Tayo

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Was Väter durch den Kiez treibt. Heute: Manuel mit Tayo auf dem Kinderbauernhof im Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg.

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Vorne: Manuel mit Tayo im Streichelzoo im Görlitzer Park. Hinten: Enten.

Das da oben sind Manuel und Tayo. Manuel ist 35, kommt ursprünglich aus Duisburg und arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag – für eine Abgeordnete der SPD. Seine Freundin Anja ist Journalistin und arbeitet als Online-Redakteurin. Tayo ist 15 Monate alt, geht in eine KiTa in der Französischen Straße in Mitte und wohnt gemeinsam mit Vater und Mutter in Nord-Neukölln. Wir treffen Manuel und Tayo an einem Samstagvormittag zwischen Schafen, Ziegen, Gänsen und einem Hängebauchschwein. Oh, und zwischen Dealern.

Manuel, Du warst gerade mit Deinem Sohn auf dem Kinderbauernhof. Wo war seine Mama währenddessen?

Die Mama hat in der Zeit geschlafen, kurz ein wenig Freizeit genossen und hat…. wahrscheinlich schon das Mittagessen vorbereitet.

Wie sieht derzeit Eure Eltern-/Kind-Aufteilung aus?

Wir versuchen, es 50/50 zu machen. Dass wir ihn im Wechsel zur KiTa bringen und abholen. Die Abende versuchen wir uns so aufzuteilen, dass jeder von uns pro Woche 2-3-mal unterwegs sein kann und sich in der Zeit der andere um den Kleenen kümmert. Alle drei Wochen gönnen wir uns den Luxus einer Babysitterin. Das ist immer eine Kostenfrage. Wir bemühen uns also um Gleichberechtigung. Dadurch, dass Anja eine halbe Stelle hat, hat sie für das ganze zeitaufwendige Grundrauschen – Kinderklamotten, Essen und so weiter – aber etwas mehr Zeit als ich.

Du arbeitest Vollzeit – Überstunden inklusive?

Wenn ich ihn aus der KiTa abhole, gehe ich pünktlich um 17 Uhr, damit er spätestens um 17:30 Uhr da raus ist. Die Überstunden werden dann halt an anderen Tagen gemacht. Wenn ich noch Abendtermine habe, holt Anja ihn ab und umgekehrt. Kein Scherz: Wir setzen uns jeden Sonntag hin und planen die nächsten ein bis zwei Wochen vor. Nicht en Detail, vieles ist ja auch abhängig von der Tagesform.

Als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag dürfte Elternzeit für Dich kein Problem gewesen sein, oder?

Mein Vorteil ist, dass ich nun mal Büroleiter einer SPD-Abgeordneten bin. Elternzeit gehört zu unserer Politik, dafür engagieren wir uns. Wir sind ein relatives kleines Team, und wenn dort jemand längere Zeit fehlt, kann man das nicht einfach mit Boardmitteln kompensieren. Dann muss man nach guten Ersatzlösungen suchen.

Die Ihr gefunden habt. Du hast Deine Elternzeit bereits hinter Dir.

Ich bin für sechs Monate in Elternzeit gegangen, weil wir es auch da ungefähr bei 50/50 halten wollten. Tayo ist Mitte Juli geboren, und da meine Freundin die Möglichkeit hatte, ab Oktober ihren befristeten Vertrag nochmal um drei Monate bis Ende des Jahres fortzusetzen, hat sie dieses Angebot gerne angenommen. Somit begann meine Elternzeit früh, unser Sohn war erst zweieinhalb Monate.

Ging trotzdem gut?

Wir haben uns relativ zügig aneinander gewöhnt und eingespielt, ja. Wir mussten in den sechs Monaten nicht einmal in der Mittagspause zu Mama fahren und sagen: „Wir brauchen ganz ganz dringend Nachschub“. Ab Januar aber war Anja ohnehin wieder zuhause, von dann an haben wir zusammen Elternzeit gemacht. Und waren für zwei Wochen in der Sonne von Gran Canaria.

Und so ein Urlaub hat mit Kind auch geklappt?

Ja. Er war damals sieben Monate, dort waren es 25-26 Grad Celsius am Tag, da verhinderst du natürlich in einer Tour, dass er sich einen Sonnenbrand holt. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass er nach den zwei Wochen weißer als vorher war. Das ist dort eben dein Tagesgeschäft. Aber schön ist es trotzdem, ich habe in der Zeit 700 Seiten Jonathan Franzens „Freiheit“ lesen können. Das ist mit kleinem Kind normalerweise auch nicht so einfach. Weil es immer Aufmerksamkeit braucht und die auch bekommen soll.

Apropos Lesen: Macht Ihr Euch regelmäßig schlau, damals übers Kinderkriegen, heute übers Kinderhaben? Lasst Ihr alles auf Euch zukommen? Oder habt schlaue Berater?

Wir haben schlaue Berater, ja. Freunde, die gerade oder vor längerer Zeit Kinder bekommen haben. Von Eltern jüngerer Kindern kann man ja auch noch was lernen. Wir haben dafür genau ein Buch gehabt, den Klassiker, das Standardwerk „Babyjahre“ von Remo H. Largo. Und den Newsletter des Arbeitskreises Neue Erziehung.

Und das Buch hast Du auch gelesen?

Es liegt immer auf meinem Schreibtisch, und ich denke öfter, dass ich da mal wieder durchblättere um zu schauen, was in Tayos jeweiligem Alter gerade wichtig ist. Aber wir schauen da beide gar nicht mehr rein.

Warum nicht?

Durch die KiTa bekommt man viel mit. Und durch die Standard-Untersuchungen beim Kinderarzt hat man zudem das Gefühl, nichts zu versäumen. In der KiTa gibt’s ja eh alle Nase lang einen neuen Infekt. Und Arzt und KiTa-Fachpersonal sagen uns schon, ob alles in Ordnung ist. Von daher habe ich da kein schlechtes Gefühl. Man will es ja auch nicht zu stark theoretisieren. So abgedroschen es klingt: Am Ende des Tages sind die Kids eben doch alle individuell. Ob man daraus dann ein Standardwerk machen kann… naja.

Beschreib‘ doch mal einen typischen Moment aus Deiner Elternzeit. Wo bist Du zum Beispiel gerne hingegangen in Neukölln?

Weil ich mich sonst zuhause gelangweilt hätte, habe ich aus purem Egoismus heraus in meiner Elternzeit jeden Tag Programm mit meinem Sohn gemacht. Jetzt kommt der große Kitsch-Klischee-Kübel: Montags war immer Pekip, Dienstags war im „Kurz & Klein“ – wo ich immer gerne nachmittags abgehangen habe, wenn ich nichts zu tun hatte – Babytreff. Mittwochs Krabbelgruppe. Donnerstags war Babyschwimmen, freitags war frei, samstags Musikkurs. Wahnsinn.

Und Sonntag kam das Sams?

Für Tayo war es gut, glaube ich. Weil er mit acht Monaten in die KiTa kam und so vorher schon viel Zeit mit anderen Kindern verbracht hat. Und nicht nur auf die Eltern fixiert war. Er war es bereits gewohnt, dass ein älteres Kind ankommt und ihm das Spielzeug wegnimmt.

Rückblickend: Was hat sich für Dich als Vater am meisten verändert?

Du planst natürlich alles anders. Du setzt Prioritäten anders. Vermeintliche Abendtermin-Highlights sind plötzlich doch keine mehr. Er geht natürlich immer vor. Man ist also einerseits viel organisierter, nimmt dafür andere Sachen viel lockerer.

Und was vermisst Du aus der damaligen Zeit?

Ich habe viel weniger Freizeit, ist doch völlig klar. Ich hatte in dieser Woche fünf mögliche Abendtermine, normalerweise hätte ich die auch wahrgenommen. Das geht mit Kind nicht mehr, damit muss man sich arrangieren. Und wenn er krank ist, ist es nochmal was anderes. Tayos Großeltern wohnen nicht in Berlin, sondern in Duisburg und Bremen. Wenn er krank ist, dann musst du sehen, wie du das machst. Wer bleibt zuhause, wann holen wir die Babysitterin? Auch das ist Organisation.

Was willst Du mal besonders gerne mit Deinem Sohn tun? Ein gemeinsamer Stadionbesuch? Deinen Lieblingsfilm sehen? Vielleicht gab es so einen Moment ja auch schon.

Neulich hat die Erzieherin in der KiTa gesagt, dass Tayo ja schon richtig gut Fußballspielen könne und ich habe – glaube ich – daraufhin ziemlich euphorisch genickt. Na ja, ich erlebe einfach jeden kleinen Moment wahnsinnig gerne, der mir das Gefühl gibt: Tayo hat Freude, an dem was er tut, er entdeckt etwas Neues, lernt etwas dabei und er verliert nicht aus den Augen, dass er nicht ganz allein auf der Welt ist. So wie eben, als er zum ersten Mal alleine die Ziegen gefüttert, aber das Tierfutter auch geteilt hat. Ich fänds super, wenn er später mit mir mal zum Fußball gehen würde, zu einem Konzert oder auf die ein oder andere spannende Reise mit seinen Eltern. Wichtig ist mir aber, dass nicht nur ich und Anja das möchten. Sondern vor allem er selbst.

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