Kiezväter (10): Hans mit Heinrich

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Was Väter durch den Kiez treibt. Heute: Hans mit Heinrich in Berlin-Neukölln.

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Hans und Heinrich im tiefen Herzen von Neukölln – mitten auf der Karl-Marx-Straße. Beziehungsweise auf deren Bürgersteig, natürlich.

Das da oben sind Hans (29) und sein sechs Monate alter Sohn Heinrich. Hans arbeitete zuletzt als Referent bei der arabisch-deutschen Handelskammer. Und Heinrich? Wohnt mit seinen Eltern im Weserkiez und lässt sich offenbar gerne tragen: Wir treffen Vater und Sohn am Neuköllner Wildenbruchplatz und schlendern gemeinsam mit Ihnen bis zur Karl-Marx-Straße, wo Hans in einen Drogeriemarkt will und das obige Foto entstanden ist. Gekürztes Protokoll eines 15-minütigen Spaziergangs, Smalltalk meinerseits exklusive.

Es ist Dienstagmittag, Hans! Musst Du nicht arbeiten?

Ich bin gerade in Elternzeit, für zehn Monate.

Das ist vergleichsweise lange! Am Stück, ohne Teilzeit?

Bei mir ist das ohnehin was Besonderes, weil ich nach der Elternzeit einen neuen Job anfangen werde.

War der Jobwechsel schon klar bei Deinem Elternzeit-Antrag? Und wenn nicht: Fand Dein Arbeitgeber cool, dass Du solange raus wolltest?

Ich gehe mal davon aus, dass mein Arbeitgeber nicht Deinen Blog liest. Ich hatte das mit ihm abgesprochen, in der Zeit lief mein Vertrag aus. Ich wollte nicht verlängern, wäre aber kein Problem gewesen. Mein Arbeitgeber hat sich nichts anmerken lassen, war aber, glaube ich, nicht allzu erfreut.

Und Deine Freundin nimmt die anderen vier Monate von den insgesamt 14 Monaten, in denen Elterngeld gezahlt wird?

Sie kann keine wirkliche Elternzeit nehmen, weil sie ein Stipendium bekommt. Sie promoviert und hat sich gerade in ein Co-Working-Space in der Weserstraße eingemietet. Die ersten zwei Monate nach der Geburt war ich in Elternzeit, habe dann nochmal zwei Monate gearbeitet, und jetzt bin ich eben tagsüber, bis 17 oder 18 Uhr, für Heinrich zuständig.

Und das klappt gut? Wo liegen die täglichen Problemchen?

Ehrlich gesagt ist er ziemlich unkompliziert. Nur mit dem Waschen kommen wir nicht hinterher, wir haben keinen Trockner. Und keine Geschirrspülmaschine. Das sind gerade die zentralen Probleme in meinem Leben.

Von den etwaigen Sorgen und Ängsten vor der Geburt traf also auch nichts ein?

Ich kann mich nicht bewusst an bestimmte Ängste erinnern. Natürlich gab es Überlegungen: Wie wird das alles? Wo werden wir leben? Werden wir noch Freunde treffen? Haben wir die Freizeit dafür? Den ersten Ultraschall habe ich verpasst, aber den zweiten fand ich extrem bewegend und habe mich sehr gefreut auf das, was da kommt. Was er wohl für ein Baby wird. Ich bin im Freundeskreis auch der erste mit Kind.

Für Berlin bist Du mit 29 Jahren ja tatsächlich ein junger Vater.

Für Berlin vielleicht, auf dem Land ist das wohl ein bisschen anders. In anderen Städten aber, glaube ich, nicht.

Ihr seid wahrscheinlich auch zugezogen?

Ja, ich wohne seit 2007 in der Stadt, meine Freundin seit 2004.

Und jetzt, da Heinrich da ist: Auf welche Unternehmung freust Du Dich mit ihm besonders? Ins Stadion? Das erste Mal ins Kino?

Aufs Fußballspielen freue ich mich wirklich. Ich bin kein Vereinstyp, bin aber gespannt, ob er Fan wird. Ganz allgemein: Wenn er reden kann, wird es bestimmt ziemlich witzig.

Unser Sohn sagt seit ein paar Tagen andauernd etwas, das sich sehr nach „Alter!“ anhört. Ein Berliner! Was findest Du hier besonders kinderfreundlich, aus welchen Gründen würdest Du mit Baby lieber woanders hin?

Wir waren im Oktober in Rom, drei Wochen Urlaub. Mit Baby ist die Stadt, die ja wunderschön ist, ein Albtraum. Die volle Altstadt und dieser öffentliche Nahverkehr. Der Kinderwagen passt nicht in den Bus rein, die U-Bahn… da ist wirklich nichts kindergerecht. Wie KiTas und ähnliche Einrichtungen, Kindergeld und Elternzeit dort organisiert sind, weiß ich zwar nicht genau. Im Kontrast dazu bin ich trotzdem gerade megazufrieden. Natürlich gibt es auch hier viele U-Bahn-Stationen, an denen es keinen Aufzug gibt, das nervt weiterhin. Aber es gibt immer viele Leute die helfen – und vor allem ist es witzig, wer einem so hilft, den Kinderwagen hochzutragen. Vermeintliche Obergangster zum Beispiel, während andere Menschen weiterlaufen, von denen ich Hilfe eher erwartet hätte.

Habt Ihr schon einen KiTa-Platz für Heinrich?

Wir haben uns ein paar angesehen, und dann gibt es ja dieses System, sich bei zehn KiTas anzumelden und dann zu hoffen. Jeder macht das hier so, deswegen werden erst in der letzten Sekunde immer noch mal Plätze frei. Und jeden Monat in den KiTas anzurufen und weiteres Interesse zu bekunden, das nervt doch auch. Weil man nicht weiß, was dabei rumkommt.

Habt Ihr denn einen Termin, zudem Ihr spätestens einen Platz gefunden haben müsst?

Nee, nicht wirklich. Ist bei uns ja eh in Bewegung, weil ich einen neuen Job suche. Und wer weiß, vielleicht ja gar nicht in Berlin. Meine Freundin wird bis dahin wahrscheinlich noch promovieren.

Liest sie nebenbei auch Elternliteratur? Oder gar Du?

Meine Freundin ist großer Fan von der Stadelmann, vor allem während der Schwangerschaft war sie das. Geht um Homöopathie und wie man mit Krankheiten umgeht und so. Vor der Geburt hatten wir uns ein wenig in das Thema eingelesen. Das Internet hingegen nervt mich krass, man liest trotzdem immer wieder mal quer. „Muss ich das jetzt abspülen oder kann ich’s einfrieren?“, aber eigentlich habe ich keine Lust mehr darauf. Ich nutze das Internet für Kinderfragen kaum noch, weil ich das Gefühl habe, dass das nur Trottel sind, die sich in einschlägigen Foren darüber austauschen. Deswegen wünsche ich mir ein Standardwerk der Medizin über Kinderkrankheiten und Behandlungsmöglichkeiten. Als Buch, in dem man mal rumblättern kann. Natürlich gibt es zu allem unterschiedliche Meinungen.

Vom Stillen und Füttern ganz zu schweigen.

Wir haben Heinrich gerade gestern das erste Mal Brei gegeben! Lief gut, es gab sogar gleich zwei: Gemüse-Fleisch-Brei und Hafer-Obst-Brei. Beides auf einmal, beides fand er okay.

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