Im Stream: „Das Ende der Geduld“ mit Martina Gedeck als Neuköllner Jugendrichterin Kirsten Heisig

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Der auf Kirsten Heisigs Sachbuch basierende Spielfilm „Das Ende der Geduld“ entwirft ein pessimistisches Bild der Arbeit gegen Kinder- und Jugendgewalt. Und er führt zu einer unausweichlichen Frage, die sich auch im gentrifizierten Teil Neuköllns alle zugezogenen Eltern stellen müssen. 

Martina Gedeck und "Tatort"-Komissar Jörg Hartmann in "Das Ende der Geduld" (Foto: BR)

Martina Gedeck und „Tatort“-Komissar Jörg Hartmann in „Das Ende der Geduld“ (Foto: BR)

Zum Endspurt ihrer Toleranz-Themenwoche „Anders als du denkst“ hat die ARD am Mittwoch ein Neukölln-Porträt der besonders ernüchternden Art ausgestrahlt: Der Spielfilm „Das Ende der Geduld“ basiert lose auf dem gleichnamigen Buch der Neuköllner Jugendrichterin Kirsten Heisig und erzählt ihre Geschichte zwischen Straßengewalt und Beamtenapparat. Und die nimmt, wie man als Zuschauer schon vorher weiß, kein gutes Ende. Kirsten Heisig nahm sich Ende Juni 2010 unter ungeklärten Umständen das Leben. Ihr Sachbuch „Das Ende der Geduld: Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter“ erschien posthum und avancierte zum vieldiskutierten Bestseller.

Die Jugendrichterin Corinna Kleist – eindrucksvoll stoisch gespielt von Martina Gedeck – will nach einem halben Jahr Auszeit wegen Burn-Out zurück in den Dienst. Ihr Chef will sie versetzen, aber Kleist winkt ab: Nur im Rechtsraum um Kinder- und Jugendgewalt könne man noch was verändern, und eben das hat Kleist vor. Sie zieht die Mütter krimineller Kids in die Verantwortung. Und sie kämpft für kürzere Strafprozesse, so dass mutmaßliche Straftäter nur wenige Wochen nach der Tat vor Gericht stehen. Jenes „Neuköllner Modell“ sollte später und trotz anfänglichen Widerstands unter Kollegen und Vorgesetzten Schule machen – die Probleme im Kern löst es aber nicht, weil es das familiäre und soziale Umfeld von minderjährigen Straftätern nicht ändern kann. Wie auch beim 14-jährigen Rafiq.

Rafiq, zu Beginn des Films „Das Ende der Geduld“ noch 13 Jahre alt, ist der kleine Bruder von Nazir. Und schon dort fängt Rafiqs Abwärtsspirale an: Nazir ist einschlägig bekannter Krimineller und Drogendealer, der auch vor Fahrerflucht, Vergewaltigung einer Minderjährigen und Bedrohung von Zeugen nicht Halt macht. Rafiq klaut und pöbelt selbst bereits herum und genießt dabei den Schutz seines großen Bruders, dessen Gang und vom Gesetz – solange er nicht 14 ist, kann ihm die Polizei nichts, das weiß er leider ganz genau.

Es ist als Zuschauer frustrierend mit anzusehen, wie Richterin Kleist ein hehres Ziel – wenn auch nicht immer mit den richtigen Mitteln – verfolgt, aber auf Granit beißt und zunehmend erkennen muss, dass man Neukölln und den dort lebenden Migrantenfamilien mit Recht und Gesetzesänderungen allein nicht helfen kann. Schlimmer aber noch ist die Erkenntnis, dass viele Familien offenbar gar keine Hilfe wollen. Sie haben andere Probleme, wie Rafiqs Mutter einmal in dessen Schule sagt: Erst durfte ihr Mann nicht arbeiten, jetzt könne er wegen Krankheit nicht.

Und es stellt sich bei aller Toleranz auch für die letzten Zugezogenen die unausweichliche Frage: Soll ich mein Kind wirklich hier in Neukölln zur Schule schicken? Wir wissen die Antwort noch nicht.

Die BR-/NDR-Koproduktion „Das Ende der Geduld“ ist als Stream täglich ab 20 Uhr in der ARD-Mediathek zu sehen.

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