Und wieder ein Vater, dem wegen seiner Elternzeit gekündigt wurde

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Wenn Firmen gerne familienfreundlich wären, aber es nicht sind: Über ein Interview mit einem Agenturmitarbeiter, der nach seiner Elternzeit die Kündigung auf den Tisch bekam.

Szene aus der Doku "Papa, trau Dich!": XY wurde gekündigt, weil er sein krankes Kind aus der KiTa abholen wollte. (Foto: NDR)

Szene aus der Doku „Papa, trau Dich!“: Ingo Stober wurde gekündigt, nachdem er sein krankes Kind aus der KiTa abholen wollte. (Foto: NDR)

Die ‚Stilloseste Kündigung des Jahres’? Laut Branchenmedium „Werben & Verkaufen“ hat eine Stuttgarter Agentur schon jetzt die besten Chancen auf einen Titel wie diesen. Hintergrund sind die Erfahrungen, die Stefan Daun mit seinem Arbeitgeber gemacht hat, als er Elternzeit nehmen wollte – mehr aber noch die Erfahrungen, die er nach seine Rückkehr in den Job machte.

In einem Interview, das „Werben & Verkaufen“ mit Daun führte, erzählt der Vater eines einjährigen Sohnes unter anderem, dass sein Agenturchef es ihm schon übel nahm, „dass ich überhaupt Elternzeit genommen habe“. Während seiner Abwesenheit hat Dauns Arbeitgeber zwar noch Werbung gemacht,

„Ab Ende Juni dreht sich für ihn erst mal alles ums Fläschchen machen, Windeln wechseln und um die korrekte Früherziehung: Stefan geht „leider“ in Elternzeit und kehrt erst wieder im neuen Jahr „gut erholt“ zu uns zurück. Wir wünschen dir viel Spaß mit deinem Sprössling und hoffen auf regelmäßige Besuche von dir und dem Kleinen!“

heißt es auf der Firmen-Homepage über den Mitarbeiter. Am Tag seiner Rückkehr aber hat Daun die Kündigung auf den Tisch bekommen und wurde freigestellt.

Der Fall von Daun ist natürlich und leider kein Einzelfall, wenngleich ein moralisch besonders fragwürdiger. In der ARD-Dokumentation „Papa, trau Dich!“, die in der Mediathek weiterhin im Stream zu sehen ist, wird zum Beispiel der Fall des Volksbank-Bereichsleiters Roland Jenner erzählt, der entlassen wurde, nachdem er nach der Geburt seiner Tochter Elternzeit beantragte. Oder der Fall von Ingo Stober, einem Betriebswirt, dem gekündigt wurde, nachdem er eine Konferenz frühzeitig verlassen musste. Grund: Sein krankes Kind musste auch der KiTa abgeholt werden.

Ein bisheriges Grundproblem der neuen Elternzeitregelung für Väter, dem sich Arbeitnehmer wie Arbeitgeber bewusst sein sollten: Gesetz ist Gesetz, ja, aber Kollegialität ist auch Kollegialität. Ich selbst bin kein Arbeitgeber, kann mir aber vorstellen, dass es gerade für kleine Unternehmen schwierig werden dürfte, den längeren Ausfall einer Arbeitskraft zu kompensieren, ohne einen Ersatz beschäftigen zu können. Gleichzeitig ist das ein Argument, das in solchen Fällen seitens der Arbeitgeber immer wieder fällt. Absurd bloß: Bei Müttern ging es bisher doch auch, oder?

Gelernt, sagt Daun zum Schluss, habe er vor allen Dingen, dass die Familie vorgehe: „Was die Länge der Elternzeit angeht, da würde ich mir heute aber wohl tatsächlich mehr Gedanken drüber machen. Da hätte ich stärker vorfühlen müssen. Vor allem aber sollte man ganz am Anfang mehr darauf schauen, ob der Arbeitgeber, für den man sich entscheidet, sich durch Familienfreundlichkeit auszeichnet“.

Meine Elternzeit liegt übrigens seit Monaten hinter mir, einen Erfahrungsbericht bin ich mir und vielleicht sogar ein paar Lesern noch immer schuldig. Finde nur leider kaum Zeit dafür, weil ich neben dem gesetzlichen Recht offenbar das Glück hatte, wieder rehabilitiert und in Vollzeit zu arbeiten. Im Vergleich zu Stefan aus der Werbeagentur.

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