Kiezväter (14): Florian mit Soraya

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Was Väter durch den Kiez treibt, heute: Flo mit Sori auf einem Spielplatz im Neuköllner Reuterkiez.

Flo mit Sori auf dem Reuter-Spielplatz in Neukölln

Die Locken hat sie von ihrer Mutter, angeblich aber auch vom Vater: Tochter Sori mit ihrem Papa Flo

Das da oben sind Florian und Soraya. Flo ist 35 und „arbeitsloser Wissenschaftler“, wie er sagt. Eigentlich schreibt er seine Doktorarbeit über Aale (…), wegen ausgelaufener Verträge pausiert er zurzeit. Sori wird im Juni zwei Jahre alt. Kid A und ich treffen die beiden am Spielplatz an der Reuterstraße Ecke Weserstraße in Berlin-Neukölln, und das nicht zum ersten Mal: Dank gutem Timing lernt Kid A gerade jetzt Laufen und Klettern, da das Wetter frühlingshafter wird. Spielplatzwetter eben.

Flo, wir haben uns schon öfter hier getroffen…

Wir wohnen in der Nähe, Reuterplatz ist logistisch der nächste Spielplatz. Man kann einen Besuch gut mit Einkäufen verbinden. Außerdem scheint im Vergleich zu anderen Spielplätzen in unmittelbarer Umgebung hier auch am späten Nachmittag noch Sonne.

Holst Du Sori regelmäßig aus der Kita ab? Wie teilen Du und Deine Freundin Euch da auf?

Flo: Wir teilen uns die Kinderbetreuung nicht zeitlich genau auf, sondern individuell. Wer am Nachmittag keinen Termin ab, holt Sori ab. Und ich bin beruflich nunmal „sehr flexibel“ – arbeitslos halt.

Die Elternzeit hast Du schon hinter Dir.

Ja. Jeder von uns nahm sieben Monate mit einem Monat Überlappung. Ich fing in der zweiten Hälfte von Soris erstem Lebensjahr an.

Liefen da Deine Verträge noch?

Ich war zu der Zeit schon arbeitslos, aber das war kein Problem. Ich hatte vorher eine feste Stelle, und nur darüber, was du in den letzten zwölf Monaten verdient hast, berechnet sich ja das Elterngeld. Ob du in dem Moment angestellt bist, ist egal.

Du musstest Dich also keinem Arbeitgeber gegenüber rechtfertigen. Keine doofen Fragen über das „Wie lange“ und „warum“.

Nee, gar nichts.

Kennst Du Väter, die Probleme im Vorfeld ihrer Elternzeit hatten? In Berlin scheinen entweder die Arbeitgeber toleranter – oder die Arbeitnehmer fordern ihr Recht mehr ein. Auf dem Dorf, aus dem ich komme, sieht es zum Beispiel anders aus.

Definitiv. Ich kenne aber auch mindestens eine Person, bei der es richtig Ärger gab. Da wurde mit Kündigung bzw. Nicht-Verlängerung des Vertrages gedroht. Derjenige arbeitete sogar beim Wirtschaftsministerium in Brandenburg. Zukunft und so – von wegen!

Was findest Du im Kiez sowie in Berlin allgemein spitze für Eltern, was eher scheiße?

Toll ist die Spielplatzdichte, die Einkaufsmöglichkeiten auch. Richtig blöde finde ich überhaupt nichts. Der Kiez ist so schön gentrifiziert, da gibt es nichts zu meckern. (lacht)

Keine Umzugsgedanken wegen der späteren Schulwahl?

Nein. Ich hoffe, dass Sori auf die Rütli-Schule kommt, die ist super.

Woher weißt Du das?

Aufgrund des Skandals damals! (lacht) Im Ernst, es gibt doch keine Schule, die in den letzten 15 Jahren krasser gefördert wurde.

Aber Du kennst niemanden der sein Kind bereits dorthin schickt oder hast sie Dir mal angeguckt?

Nicht von innen. Man kann über den Campus spazieren, das sieht schonmal alles super aus. Wir hatten damals auch probiert, dort in den Kindergarten zu kommen, war aber nichts zu machen.

Seid Ihr jetzt mit Eurer Kita zufrieden?

Ja, sehr. Sori war 13 Monate bei der Eingewöhnung und es passte alles. Gestern haben wir noch mit Freunden darüber gesprochen: Ich habe das Gefühl, dass die Kinder, weil man sie hier in Berlin und im Osten früher als im Westen in die Kita steckt, sehr viel weniger Angst vor anderen Leuten haben, im positiven Sinne. Wenn Freunde zu Besuch kommen dauert es fünf Minuten und Sori sitzt bei ihnen auf dem Schoß.

Was nervt Dich in Berlin als Vater?

Die U-Bahnhöfe haben mich genervt, als Sori noch nicht laufen konnte. Es gibt vielleicht Rolltreppen, aber kaum Aufzüge. Das zeigt, wie behindertenfeindlich Berlin ist. Wie scheiße es wäre, wenn man im Rollstuhl säße!

Raúl Krauthausen hat dafür die Wheelmap entwickelt, die auch für Kinderwagenschieber praktisch sein kann. Ist heute als Vater denn alles so, wie Du es Dir vor der Geburt Eurer Tochter ausmaltest? Oder doch ganz anders?

Ich muss sagen, dass Sori ein extrem pflegeleichtes Kind ist. Sie hat immer gut geschlafen, gut gegessen, sie macht es uns echt einfach. Es ist nichts schlimmer gekommen als ich gedacht hatte. Es gab nur positive Überraschungen. Ich habe die Entscheidung für ein Kind nicht eine Sekunde bereut oder dem alten Leben nachgetrauert.

Ach komm, nicht mal Kleinigkeiten?

Vielleicht wäre mehr ausgehen mal wieder schön.

Und am nächsten Morgen den Kater bereuen.

Ich glaube, man trinkt heute gezielter! Verkatert morgens mit Kind ist scheiße. Fürs Kind und für einen selbst.

Jetzt nenn‘ mir bitte noch einen echten Scheißmoment, den Du als Vater erlebt hast.

Im Herbst war meine Freundin im Krankenhaus mit Verdacht auf Hirnhautentzündung. Das war doppelt beschissen. Weil ich natürlich Sorge um sie hatte und weil ich dachte: Wir haben ein Kind, wenn da was scheiße läuft…

Es verlief über einen längeren Zeitraum?

Nur ein Tag, 24 Stunden, dafür mit Quarantäne und allem Drum und Dran. Am Ende hatte sie zum Glück „nur“ eine extrem verschleppte Grippe.

Was war Dein bisher schönster Moment als Vater?

Der war, als Sori das erste Mal gelächelt hat, mit sechs Wochen. Von dort an denkt man: Das ist hier nicht nur Füttern, Wickeln und Anglotzen, da folgt auch richtige Interaktion.

Auf welchen Vater-Tochter-Moment freust Du Dich besonders?

Wir werden im Winter für drei Monate nach Asien gehen und dort arbeiten. Ich freue mich tierisch darauf, mit Sori zu reisen und wilde Sachen zu futtern.

Wohin geht es genau?

Nach Hongkong, Thailand und auf die Philippinen. Falls mein Antrag auf Geld für ein Forschungsprojekt durchgeht, reisen wir auch noch nach Indonesien und Bangladesch.

Welche besonderen Maßnahmen fürs Kind gilt es vor so einer Reise zu treffen?

Auf jeden Fall müssen wir uns über Impfungen informieren. Ich weiß nicht, was dann tatsächlich geimpft werden muss. Erschwerend hinzu kommt: Vor Ort haben wir natürlich keinen Kitaplatz, da müssen wir uns gut arrangieren. Ein paar Kontakte dort haben wir immerhin.

Und keine Sorge wegen des Essens für Eure Tochter?

In Hongkong auf keinen Fall. Dort legen sie sehr viel Wert auf sauberes hygienisches Essen. Auf den Philippinen müssten wir schon eher Sorgen haben, aber da weiß meine Freundin Bescheid. Ihre Mutter ist Philippinin.

Vorm langen Flug mit Kind habt Ihr ebenfalls keine Angst?

Sori ist schon häufiger geflogen. Im Sommer waren wir auf Mallorca, meine Freundin war mit ihr in Kroatien. Als sie drei Monate alt war, waren wir sechs Wochen in Schweden, ich habe dort gearbeitet. Auch Reisen sind also unproblematisch, ja.

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