Thai-Massage ohne Happy End

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Als Vater und Ehemann braucht man auch mal Entspannung. Es folgt kein Mario-Barth-Gag, sondern eine Momentaufnahme: zu Besuch in einem Thai-Massage-Studio in Neukölln. Voller Rückenschmerzen und Vorurteile.

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Sieht nur bedingt einladend aus, entpuppt sich aber tatsächlich als Massagestudio: das „Tree House“ in Neukölln

Als Vater hat man bekanntlich schwer zu tragen. Das Kind auf dem Arm, die Drogeriemarkteinkäufe nach Feierabend, den eigenen Kopf am Schreibtisch vorm Computer. Von all der Verantwortung ganz zu schweigen! Da somit auch der Rücken eine Auszeit braucht, wollte ich ihm an einem freien Tag spontan genau das gönnen. Ein Wunsch mit irritierenden Folgen.

In Berlin gibt es bestimmt etliche Massagestudios, die von Thai geschmissen werden – man sieht sie bloß nicht. Während Thai-Massage in Thailand bedeutet, sich in bester Lage eine Stunde lang an den schönsten Stränden der Welt ohne Rücksicht auf Verluste durchkneten zu lassen, geht es in Deutschland scheinbar weit verruchter zu. Thai-Massage-Studios sind zu einem Hinterhof- oder Souterrain-Dasein verdonnert, und wenn man dann doch mal eines ausmacht, werden potentielle Kunden schon auf dem Reklameschild informiert: „keine Erotik“.

Mal abgesehen von der Frage, was Blow- oder Handjobs gegen Bezahlung mit Erotik zu tun haben sollen – es gibt da offenbar Erklärungsbedarf seitens der Studiobetreiber. Entweder bedeutet dieser wahlweise wie eine Warnung, Entschuldigung oder Beruhigung zu verstehende Hinweis, dass es andere Studios gibt, in denen “Erotik“ angeboten wird – oder dass es regelmäßig Kunden gibt, die danach fragen. Oder beides. Im Massage-Salon „Tree House“ in Neukölln wird man auch ohne Hinweisschild auf die falsche Fährte geführt. Unbefreit von Klischeedenken könnte man darin auch, pardon, einen Puff vermuten.

Olle Möbel und Vorurteile: Zu Besuch in einem Thai-Massage-Studio in Neukölln

Ein Schaufenster. Bunt blinkende „Open“-Leuchtschrift. Vergilbte Poster mit Reflexzonen des menschlichen Körpers. Welke Topfplanzen. Vorhänge. Eine Klingel am Eingang verspricht Eintritt. Jemand öffnet. Eine wegen der Tiefparterre-Lage besonders klein wirkende Thailänderin öffnet die Tür zur umfunktionierten Wohnung. Ob ich auch ohne Termin zur Massage kommen könne und wie teuer eine Behandlung überhaupt sei, frage ich. „Termin machen oder gleich“, sagt sie. 30 Euro für 30 Minuten, 50 Euro für eine Stunde. Ich sage zu und werde hereingebeten.

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Ein Massagestudio in Kreuzberg, ebenfalls im Souterrain, weist dezent darauf hin, dass dort „keine Erotik“ zu erwarten sei

Das Massagezimmer wirkt nicht weniger schäbig als die Ladengeschäfts-Fassade des „Tree House“. Hier haben mutmaßlich mal Rentner gewohnt, deren Räumlichkeiten teilmöbliert übernommen wurden. Oller Teppich. Raufaser-Tapete. Schrankwände aus der Resterampe von Möbel Höffner. Nur wenig Tageslicht durch einen Spalt im Vorhang, keine Lampen. Ein Wasser, gerne, ja. Ankommen.

Als die freundliche junge Frau, die zwischen 20 und 40 jedes Alter hätte haben können, wieder ins Zimmer tritt, trägt sie plötzlich nicht mehr Jeans und Shirt, sondern ein sehr kurzes schwarzes Kleid. Nein, das ist ihre Kollegin, die ihr bloß sehr ähnlich sieht. Bestimmt bloß gemütlich, diese Arbeitskleidung.

Bezahlt wird bar und im Vorraus. Entspannungsmusik aus dem Küchenradio. Auswahl des richtigen Balsams nach Duft. Rückenschmerzen? T-Shirt aus, klar, das reicht. Ja, ich mache fast keinen Sport, sitze den ganzen Tag am Schreibtisch und habe ein Kind, das ich naturgemäß viel herumtrage, sage ich und bin auf der Stelle froh, das gesagt zu haben. Sie wird den Hinweis richtig deuten und ihre Finger an meinem Rücken lassen.

Die folgenden 30 Minuten werde ich nicht enttäuscht werden, nur kurz blitzen Bedenken auf: Während ich ach so entspannt auf der Futon-Matratze liege, berühren die Beine der Masseurin kurz meine Arme. Oh je! Ein paar Minuten später klingelt es an der Türe, vor der ich vorhin selber stand und haderte. Ich stelle mir einen dicken alten Mann vor, der in ein anderes dunkles Hinterzimmer gebeten wird. Zum Glück sind diese Gedanken sofort wieder verflogen, als die junge Frau die Stelle findet, an der sie mich so richtig bearbeiten muss: Dieses eine Gelenk zwischen Schulterblatt und Wirbelsäule, es knackt immer und immer wieder. Schließlich entdeckt sie beiläufig sogar meine Ehering, als sie die Hände massiert. Puh!

Nach einer halben Stunde ist der Spaß vorbei. Geschafft! Außer einer sehr angenehmen wie robusten Massage ist nichts passiert. Sogar meine Rückenschmerzen scheinen kurz verflogen – und die Klischees über thailändische Massage-Salons ebenfalls. Zumindest die über den Erotik-Teil. Ein Happy End war nämlich, dass es keines gab.

Danke, ich empfehle Sie weiter. Jetzt muss ich aber flott meinen Sohn vom Kindergarten abholen!

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2 Comments

  1. Hallo, ich glaub es gibt kaum eine Thai-Masseurin, die nicht ständig auch „erotische Massagewünsche“ bekommt. Darum der Hinweis, weil das nervt diese Frauen wohl auch auf Dauer.
    lg

  2. Hallo,
    ich muss aber auch sagen, dass es im Internet schwierig ist, nach Massagestudios zu suchen, die nicht irgendeinen erotischen Bezug haben. Ich zumindest, habe mir bei der Suche über Google damit schwer getan. Habe dann aber zum Glück und durch Zufall diese Seite entdeckt: http://www.hukendu.at/anbieter/massagestudios-wien
    Wo ich ein seriöses Massagestudio bei mir in Wien gefunden habe.

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