Kiezväter (#24): Thomas mit Joshua

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Was Väter durch den Kiez treibt. Heute: Thomas mit Joshua auf dem Dreiländereck-Spielplatz in Berlin-Kreuzberg.

Genießen offenbar beide die gemeinsame Zeit: Vater Thomas und Sohn Joshua in Berlin-Kreuzberg

Genießen offenbar beide die gemeinsame Zeit: Vater Thomas und Sohn Joshua in Berlin-Kreuzberg

 

Dass da oben sind Thomas, 34, und Joshua, 2. Thomas arbeitet mit psychisch gestörten Erwachsenen. Joshua geht in eine Kreuzberger Kita, seit er anderthalb ist. „Er war sowas von reif für die Kita. Als ob er sein Leben lang darauf gewartet hätte. Wir hatten mehr Bedenken als er“, erinnert sich Thomas. Und die Suche klappte auch gut? „Beworben hatten wir uns im dritten Schwangerschaftsmonat“. Kid A und ich treffen Vater und Sohn am Donnerstag vor Ostern auf dem Spielplatz am Dreiländereck zwischen Kreuzberg, Neukölln und Treptow, neben Wagenburg, Biergarten und Landwehrkanal.

Donnerstagnachmittag auf dem Spielplatz. Hast Du gerade etwa Urlaub oder Elternzeit, Thomas?

Ich hatte meine Elternzeit schon, die ganzen 12 Monate. Meine Frau steckte in der Ausbildung, deswegen passte das ganz gut. Jetzt ist sie arbeiten, ich bin immer dienstags und donnerstags mit Joshua unterwegs. Meistens gehen wir auf einen Spielplatz und tingeln von einer Rutsche zur anderen.

Was man hier im Kiez gut machen kann. Die Vielzahl der Spielplätze war mir vorher so auch nicht bewusst.

Ja. Und Busfahren findet er gut.

Öfter mal in die M29! Wieviel Zeit verbringst Du neben der Arbeit generell mit Deinem Kind?

Ich pendele zwar jeden Tag rund 50 Minuten, arbeite aber extra nur 32 Stunden pro Woche. Vorher hatte ich einen Job mit 40 Stunden und „Option auf freiwillige Mehrarbeit“, wie es so schön heißt. Das ging gar nicht, war nur Rennerei. Ich hatte meinen Sohn meist erst abends zum Schlafengehen gesehen. Jetzt habe ich ihn zwei Nachmittage unter der Woche, an den Wochenenden sowie jeden Morgen eine Stunde. Ich bin täglich allerspätestens 17 oder 18 Uhr zuhause.

Eine 32-Stunden-Woche war für Deine Chefs kein Problem?

Ich habe dafür den Job gewechselt. Im Bewerbungsgespräch schon sagte ich, dass ich Familienvater bin und sein möchte. Das fanden sie gut und haben mich in Teilzeit genommen!

Fühlt sich die Aufteilung nun gleichmäßig an oder liegt die Mehrarbeit trotzdem bei Deiner Frau?

Ich glaube, wir haben eine ganz gute Mitte getroffen. Rein zeittechnisch macht sie mit Joshua mehr, ja. Aber wir teilen uns die Aufgaben gerecht auf. Meine Frau hat Wochenendseminare während ihrer Ausbildung, da habe ich ihn dann auch länger ganz alleine.

Habt Ihr Familie in der Stadt?

Nein, wir sind beide aus Hessen zugezogen. Kennengelernt haben wir uns aber hier,gGemeinsam wohnen wir immer schon in Kreuzberg in der gleichen Wohnung.

Ein Grund zum Umzug seht Ihr nicht?

Ein Grund wäre, dass wir eine 2-Zimmer-Whonung haben. Irgendwann ist ein zweites Kind geplant, dann wird es eng. Dazu kommt, dass der Vermieter verkauft, wir sind die letzten Mieter dort. Auf kurz oder lang müssen wir also eh raus.

Wenn Ihr nicht selbst kauft.

Das liegt außerhalb unserer Möglichkeiten. Nicht in den nächsten zehn Jahren.

Im Kiez fühlt Ihr Euch auch wohl?

Vergleichsweise super, ja. Man kriegt schließlich auch andere Kieze mit. Wir haben einen Spielplatz vor der Türe, die Nachbarschaft ist super. Das Kiezgefühl ist noch da und wird sogar immer mehr durch die neuen Leute, die bei uns eingezogen sind. Die ganzen Horrorstories, die man so hört, treffen bei unserer Wohnungslage trotz Verkauf nicht zu. Der Vermieter ist sehr kulant.

Was stört Dich dennoch im Kiez?

(überlegt) Das ist immer relativ. Ich komme von Dorf, und im Vergleich dazu ist das, was ich hier erlebe und spüre, eigentlich immer noch das Großstadt-Ding, das bei mir zieht.

Du siehst nicht mehr Gefahren für Joshua hier, wenn er größer wird?

Nö. Das ist nicht mein Feeling. Andere Kinder werden hier auch groß.

Was vermisst Du denn vom Dorf?

Die Enge, das fehlende kulturelle Angebot, der spießige Mief, den ich aus meiner Dorfsozialisation heraus erfahren habe – das ist all das, was ich definitiv nicht vermisse. Ich mache mich hier einfach locker. Wenn ich eines Tages merke, dass das hier doch nicht die richtige Umgebung für den Kleinen ist, kann man immer noch gehen. Im Moment ist es super, und im Moment versuche ich zu leben.

Inwiefern hat sich Dein Leben verändert, seit Du Vater bist? Welche Sorgen sind eingetroffen, welche nicht?

Geändert hat sich alles!

Was am gravierendsten?

Das ganze Leben hat sich umgestellt. Vom Weggehen bis zum Aufstehen. Es gibt Tage, da stehen wir mit der Sonne auf. Das ist nichts, worauf man sich vorbereiten kann. Die ersten acht Wochen mit Baby waren am krassesten.

Was war oder wird ein besonders toller Vater-Sohn-Moment für Dich?

Hört sich total kitschig an, aber stimmt: Toll ist, was man von ihm zurückkriegt. Was man mit ihm macht. Jetzt hier zu spielen mit ihm auf dem Spielplatz. Das reicht mir, das ist völlig großartig. Ich verbringe unglaublich gerne Zeit mit ihm.Und das merkt er auch, deshalb funktioniert es gerade so gut mit uns.

Gibt es trotzdem irgendwas, dass Du vermisst aus Deiner kinderlosen Zeit? Mal abgesehen vom Ausschlafen?

(lacht) Ja klar. Ich hätte schon Lust, mal wieder auszugehen abends. Oder mal was mit meiner Frau alleine machen. Ohne Familie in der gleichen Stadt ist das echt schwierig.

Einen Babysitter habt Ihr nicht?

Wir sind gerade dabei, einen zu installieren. Aber da muss man sich umschauen: Mit Stundenlohn für den Babysitter oder die Babysitterin kostet ein Kinoabend mindestens 50 Euro.

Gab es für Dich auch irgendwelche Scheissmomente als Vater, wo alles zum Kotzen war?

Das war vor allen Dingen die Zeit in meinem alten Job, wo ich 40 Stunden und mehr arbeitete. Das war Stress pur. Ich bin morgens um 6 Uhr aufgestanden und zur Arbeit gefahren. Bin nach Feierabend in halsbrecherischem Tempo mit dem Fahrrrad durch die Stadt gegurkt, um rechtzeitig zur Übergabe da zu sein, die meine Frau und ich terminiert hatten. Das hat mich extrem ausgelaugt.

Und dann?

Letztes Jahr im September habe ich den Job aufgegeben. Dieses Aufreiben zwischen Job und Kind war megaätzend, da kommt man so sehr an seine Grenzen. Ich musste mich fragen, was ich eigentlich will und stand vor der Frage: Job oder Kind? Ich habe das Kind gewählt.

Eine Entscheidung, die man so wahrscheinlich nie bereuen wird – solange es zum leben reicht.

Genau! Jetzt verdiene ich weniger Kohle, habe aber mehr Zeit. Meine Frau und ich haben beide studiert und sind es deshalb gewohnt, mit wenig auszukommen (lacht).

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