The Kids Are Alright!

Share on Facebook23Share on Google+1Tweet about this on TwitterPin on Pinterest0Share on Tumblr0Email this to someone

„Wie wäre es“, fragt Martin Spiewak im ZEIT-Dossier „Wir sind keine Sorgenkinder!“, „wenn man einfach aufhören würde, die Kinder und das Leben mit ihnen schlechtzureden?“ Ja, wie wäre es denn?

Wussten The Who schon seit 1965, gilt entgegen vieler Behauptungen bis heute: Den Kindern geht es gut. In Deutschland den meisten zumindest.

Wussten The Who schon seit 1965, gilt entgegen vieler Behauptungen bis heute: Den Kindern geht es gut. In Deutschland den meisten zumindest.

Ich weiß nicht, ob ich ein unglückliches Kind war. Ich wuchs in einem kleinen Dorf am Niederrhein auf, spielte auf dem Land und lief selbst zur Schule. Ich hatte einen Game Boy und angeblich eine Konzentrationsschwäche, hörte David Hasselhoff, New Kids On The Block und Die Prinzen und las die Bravo. Wenn es mir mal wirklich schlecht ging, dann nicht wegen meiner Generation, sondern wegen meiner Cousine, die mich im Streit kniff und biss, bis ich sie mir aus unserem gemeinsamen Kinderzimmer rauswünschte. Aber das ist eine andere Geschichte. Wenn man mich fragen würde: Ja, ich glaube schon, dass ich eine glückliche Kindheit hatte. Und dass es mir an Liebe, Bildung und Sozialem nicht gefehlt hat.

Ich weiß nicht, ob mein Sohn ein glückliches Kind ist. Neuerdings schreit er manchmal scheinbar ohne Grund, oft ist es dann der, dass er keinen Bock auf etwas hat. Keinen Bock auf den Hochstuhl, auf die volle Windel, auf die warme Mütze. Er ist ein Jahr alt, und ich freue mich, dass er einen Willen entwickelt. Meistens nämlich lacht und brabbelt er, krabbelt, klettert, guckt, freut sich und ist, wenn er nicht gerade sowieso schläft, lammfromm. Er geht jetzt in den Kindergarten. Dort lernt er kein Chinesisch, aber vermutlich bald all das, was die anderen Kinder auch können. Laufen, feste Nahrung essen, sprechen, spielen, singen. Wenn man mich fragen würde: Ja, ich glaube schon, dass meine Sohn bisher eine glückliche Kindheit hat. Auch wenn er sich an diesen sehr frühen Teil davon später bewusst nicht mehr erinnern wird.

Es gibt Umfragen, die wollen solche Eindrücke statistisch herausfinden. Die der Unicef über die Lebensqualität von Kindern ist eine davon, und Journalist Martin Spiewak zitiert sie in seinem an Studienbeispielen nicht armen Dossier in der Zeit 38/2014, das nun auch online nachzulesen ist, damit, dass 84 Prozent der deutschen Jugendlichen zufrieden seien.

Damit ist er laut eigener Aussage der erste von vielen Journalisten. Alle anderen stürzten sich auf den einen möglichen negativen Trend, dass Kinder in anderen Ländern eben doch – unerheblich – zufriedener seien.

Die Leute, so schreibt Spiewak, lieben es mit offenbar masochistischer Wonne, das Schlechte im Kinde zu sehen. Bücher des Autors Michael Winterhoff, die der heutigen Jugend wohl nichts als Verfall attestieren, verkaufen sich wie Zigaretten auf dem Schulhof, auch wenn die Statistiken anderes als das darin Behauptete belegten. Ein Buch wie „Die Modernisierung der Seele“ von Psychologe, Soziologe und Autor Martin Dornes verkommt zum Ladenhüter. Dabei steht darin, was doch alle Eltern hören wollen müssten: The kids are alright, den Kindern geht es gut.

Ich kenne die Primär- und Sekundärquellen des Dossiers nicht selbst, ich kenne nur die Thesen über Superbildungskids sowie meine eigenen Beobachtungen und Erfahrungswerte. Und ich kenne jetzt den Text von ZEIT-Autor Martin Spiewak, ein sehr guter Text. Weil es darin nicht allein um Glück und Unglück, sondern um Zufriedenheit, Bildung, Lernstress, vermeintliche Tyranneien, Erziehung und Familie im zeitlichen Vergleich geht und weil Spiewak außerordentliche Recherchearbeit geleistet hat, ohne dabei einen eigenen, erfrischenden Standpunkt vermissen zu lassen.* Als ob man als Eltern nicht sowieso genug Sorgen hätte!

Das ZEIT-Dossier „Wir sind keine Sorgenkinder!“ ist vor allem aber ein sehr guter (und nebenbei sehr langer) Text, weil er begründete Hoffnung macht, dass mit unseren Kindern – schlagt mich nicht für diese Phrase – doch noch nicht all das verloren ist, was früher angeblich besser war. Wie erleichternd.

Und hey, die Jugendlichen rauchen sogar weniger!

*Dass es auch in Deutschland vielen Kindern in vielen Bereich weiterhin nicht gut geht, wird übrigens nicht ausgeblendet.

Share on Facebook23Share on Google+1Tweet about this on TwitterPin on Pinterest0Share on Tumblr0Email this to someone
Bookmark the permalink.

One Comment

  1. Pingback:Es ist alles in Ordnung | wohnen-mit-kind

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

  • Werbung