Wegen Baustellen: Berlin verlegt Kreuzkölln auf BER-Flughafengelände

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Ein „Pop-Up-Kiez“ als Zwischennutzung: Michael Müller, noch Senator für Stadtentwicklung und Umwelt in Berlin, will zwei Problemfliegen mit einer Klappe schlagen – auch der Sicherheit von Eltern mit Kinderwagen zuliebe.

Passen ein paar Kieze drauf: Luftaufnahme der BER-Baustelle aus dem Jahr 2012 (© Günter Wicker / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH)

Passen ein paar Kieze drauf: Luftaufnahme der BER-Baustelle aus dem Jahr 2012 (© Günter Wicker / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH)

Noch nicht mal ganz ins Amt gewählt, lässt der Mann schon notwendige Taten folgen: Der designierte Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat auf einer Pressekonferenz in Schönefeld angekündigt, das Gelände des designierten Großflughafens BER bis zu dessen endgültiger Eröffnung im Jahr 2025 als „Pop-Up-Kiez“ zwischennutzen zu wollen. Das beliebte, auf dem Grenzgebiet zwischen Kreuzberg und Neukölln liegende Viertel Kreuzkölln soll demnach „wegen seiner Baustellen“ bis auf Weiteres komplett nach Schönefeld verlegt werden.

„Die etlichen Baustellen zwischen Paul-Lincke-Ufer und Hermannplatz sehe ich mir nun seit Jahren an. Eine Belästigung für die Anwohner und die Touristen sind die!“, erklärt Müller wütend, wie sein Amtsvorgänger Klaus Wowereit gebürtiger Tempelhofer. Die Gründe dafür – Kanalarbeiten, Modernisierungs- und Dämmarbeiten an Hausfassaden „oder was weiß ich weshalb“ – verstehe er aus stadt- und finanzpolitischer Sicht zwar durchaus. „Aber ich kann und will mir nicht länger erzählen lassen, wie deswegen Zugezogene den Kiez mißbilligen, Touris ihren Latte Macchiato neben Baggern schlürfen müssen und alte Menschen aus ihren Wohnungen vertrieben werden“, so Müller weiter. Vor allem junge Eltern, wie er sie vorher nur aus Prenzlauer Berg kannte, hätten sich wiederholt beschwert, dass sie mit ihren Kinderwagen beim besten Willen nicht mehr all die Fallgruben und Baugerüste umschiffen könnten, eine einzige Gefahr sei das. Eine erneute Gentrifizierung macht der Senator für Stadtentwicklung und Umwelt deswegen kurzerhand zur Chefsache.

Der Umzug von Kreuzkölln nach Schönefeld soll spätestens im Jahr 2016 beginnen. Danach hätten Anwohner somit ihre Ruhe, da auf absehbare Zeit weder Bau- noch Fluglärm zu erwarten sei, und Touristen kämen auch voll und ganz auf ihre Kosten: Statt vormittags um 11 bierselig über die Weserstraße zu flanieren, könnten all die Spanier und Schwaben Kreuzkölln und Berlins größte Großbaustelle gleichzeitig erleben. Erste Cafés, Boutiquen und Kunstgalerien haben bereits Interesse an einem Ladenlokal in Schönefelds direkter Flughafenumgebung bekundet. „Eine klassische Win-Win-Situation“, findet Müller.

Auch die Anwohner selbst bezeichnen ihre geplante Zwangsumsiedlung bereits jetzt als Schritt in die richtige Richtung. Nur die Verkehrsanbindung ins richtige Nord-Neukölln, Kreuzberg und die angrenzenden Viertel Mitte und Friedrichshain, die müsse noch verbessert werden. Die BVG, die Deutsche Bahn sowie die Gewerkschaft deutscher Lokführer (GDL) arbeiten angeblich bereits an einer Lösung zur Zwischenlösung.

Sollte der Umzug erfolgreich über die Bühne gehen, stünde als nächster Stadtteilumzug der Bezirk Mitte nördlich der Friedrichstraße zur Debatte, sagt Müller zum Abschluss der Pressekonferenz, bei der gerüchteweise auch Vertreter des „Postillon“ anwesend waren: „Dann hätten nicht nur der BND und sein Neubau, sondern auch die Anwohner der Chaussee- und Invalidenstraße endlich ihre Ruhe.“

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