Dietrich Brüggemann veranschaulicht Malte Welding, warum Vaterwerden erstrebenswert ist

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Ja, Kinder rauben einem Schlaf, Nerven und Freizeit. Warum es sich trotzdem lohnt, Eltern zu werden, erklärt Malte Welding in seinem aktuellen Buch – und darin wiederum Dietrich Brüggemann mit einem wahrhaftigen Dialog.

Malte-Welding-Seid-Fruchtbar-Und-Beschwert-Euch-KiWi-CoverVor ein paar Monaten habe ich mich durch Malte Weldings eigentlich sehr lesenswertes Sachbuch „Seid fruchtbar und beschwert Euch!“ gequält. Das klingt gemeiner, als es gemeint ist: Auf 208 Seiten ist dem Journalisten, Kolumnisten und Autor eine intensiv recherchierte Streitschrift gelungen, die ihrem Untertitel „Ein Plädoyer für Kinder – trotz Allem“ alle Ehre macht. Welding springt in seinen Kapiteln zwischen persönlichen Erfahrungen, gesellschaftlichen Zustandsbeschreibungen und aufgearbeiteten Fakten hin und her, und das macht er als frischgebackener Vater und politischer Kommentator mit ziemlich viel Leidenschaft. Das Problem für Laien wie mich ist bloß, dass Themen wie Elterngeld, Familienpolitik und Menschenrechte schon an der Oberfläche komplex genug sind, als dass man sie wirklich greifen und diskutieren könnte. Welding, der mutmaßlich sämtliche Zahlen, Zitate, Zeitungsartikel und Zusammenhänge aus diesem weiten Feld im Schlaf aufsagen kann, lässt seine Leser ausgiebig an seinen Recherchen teilhaben – oftmals auf Kosten der Lesbar- und Zugänglichkeit. Wie dem auch sei: „Seid fruchtbar und beschwert euch!: Ein Plädoyer für Kinder – trotz allem(Amazon-Partnerlink) ist ein wichtiges Buch, weil sein Autor sich nicht nur für Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau und Vater und Mutter sie für mehr Kinder einsetzt, sondern jeden Status Quo und jeden vermeintlichen familienpolitischen Fortschritt in Frage stellt. Etliche zitierfähige und berührende Passagen kommen dabei herum, zum Beispiel die von und mit Dietrich Brüggemann.

Dietrich Brüggemann ist Regisseur solch sehenswerter Filme wie „3 Zimmer Küche Bad“ und „Kreuzweg“, außerdem drehte er Musikvideos für Thees Uhlmann, Kettcar und Judith Holofernes. Für sein Buch fragte Welding ihn, warum wir keine Kinder mehr bekommen. Brüggemann antwortete:

Die großen Befreiungsbewegungen des 20. Jahrhunderts haben dazu geführt, dass wir etwas verloren haben, was wir jetzt vermissen. Nämlich eine Erzählung, einen Mythos, an dem man sich fürs eigene Leben orientiert. Heute muss jeder seinen eigenen Mythos gestalten und viele sind damit überfordert. Man kann das an folgendem Dialog illustrieren, den ich kürzlich mit einer alten Freundin führte, die seit 13 Jahren steif und fest behauptet, keine Kinder zu wollen, was ich als anständiger Mensch natürlich stets respektiert habe. Dieser Dialog ging so:

Sie: „Kinder, igitt, bäh.“

Ich: „Ja, ich bin auch überhaupt nicht scharf auf schreiende Babys, voll gekackte Windeln und schlaflose Nächte und keine Freizeit, und ich reiße mich auch nicht darum, pubertierende Monster im Haus zu haben. Aber ich will eine Familie. Weil ich mich als Teil einer Geschichte sehe und möchte, dass die Geschichte weitererzählt wird. Ich will nicht eines Tages alt und allein sein, sondern ich will mit meinen Enkeln Fußball spielen und ihnen sagen können: Macht ihr mal weiter, ich bin jetzt mal weg.“

 

Und so ist es.*

*Um es nicht mit den Worten Harald Martensteins sagen zu müssen: „Der Sinn des Kinderkriegens besteht darin, dass, wenn man alt ist, an Weihnachten jemand anruft.“

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