5 Gründe, warum ich über Schwangerschaft & Geburt nichts ins Internet schreibe

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Weshalb es auf diesem kleinen Väterblog hier so wenig Persönliches über die zweite Schwangerschaft meiner Frau und die Geburt von Kid B zu lesen gibt? Deshalb.

Photoshop: So sähe „Kid A“ von Radiohead aus, hieße es „Kid B“.

Photoshop: So sähe „Kid A“ von Radiohead aus, hieße es „Kid B“.

Anfang Mai ist nicht nur das neue Album von Radiohead erschienen: Zwei Tage nach der Überraschungsveröffentlichung ihres neunten Albums „A Moon Shaped Pool“, fast 16 Jahre nach ihrem Meilenstein „Kid A“ und zweieinhalb Jahre nach unserem gleichnamigen ersten Sohn wurde Kid B geboren. Über die Faszination Radiohead und ihre neue Musik habe ich nichts geschrieben, weil ich 1. während meiner Elternzeit andere Aufgaben habe und 2. die Musikexpress-Kollegen das sowieso besser können. Über die postkoitale Entstehungsgeschichte unseres zweiten Sohnes sowie über dessen Geburt habe ich mich bisher aus anderen Gründen online ausgeschwiegen.

Es gibt Eltern, die nicht nur ihre Facebookfreunde, sondern auch die dafür zu recht dankbaren Leserinnen und Leser ihrer Blogs – meine Frau ist nur eine von ihnen – an ihrer Schwangerschaft und der Geburt ihres Kindes teilhaben lassen. Sie haben sicher gute Gründe dafür, der gemeinsame Nenner dürfte der sein, dass sie ihr Glück und ihre Erfahrungen mit all den Menschen teilen wollen, mit denen sie schon in den Jahren zuvor stets soviel teilten. Andrea Zschocher zum Beispiel macht sich auf ihrem Blog „Runzelfüßchen“ Gedanken über Zahlen und Daten in der Schwangerschaft und darüber, wohin ihr erstes Kind bei der Geburt des zweiten kommt. Anne-Luise „Alu“ Kitzerow bloggt auf „Große Köpfe“ aktuell über Heißhunger, Sex während der Schwangerschaft und Umstandshosen. Bettina Apelt schreibt in ihrem Blog „Frühes Vogerl“ über skurrile Veränderungen in der Schwangerschaft, „Bella Berlin“ über Schlaf während der Schwangerschaft und Mitleid mit dem ersten Kind, das bald ein Geschwisterchen aushalten muss. Kleinkindpädagogin und Stillberaterin Susanne Mierau liefert gar einen Erlebnisbericht aus dem Kreißsaal – im Nachhinein, versteht sich. Ihr Mann Caspar Clemens Mierau legt mit seiner Sicht auf die Stunden vor und nach der Geburt nach. Und Henriette „Jette“ Zwick, die sich selbst „Super Mom“ nennt und regelmäßig Schwangerschaftsupdates liefert, fragt einfach gleich ihre Leserinnen (ich mutmaße einfach mal, dass sich die Leser an  wenigen Fingern oder Händen abzählen lassen), was sie denn noch von ihr wissen wollen über ihre Schwangerschaft, bevor die vorbei ist. Alle öffentlichen Postings dieser Frauen, ob bei Facebook, Instagram, Twitter oder ihrem Blog, vereint der Eindruck, dass hier wer schlichtweg das teilen möchte, was sie beschäftigt. Viele (andere Frauen) werden ihre Erfahrungen zudem ernsthaft interessieren. Und solange wer sein (ungeborenes) Kind nicht unmittelbar zu Werbezwecken mißbraucht, darf und werde ich das auch niemandem übelnehmen. Aber ich will diese Art von Öffentlichkeit für uns nicht.

Weiterlesen: Über die Privatsphäre unserer Kinder

Auch mich hat während unserer zweiten Schwangerschaft und Geburt vieles bewegt, begeistert oder beunruhigt. Das Wohlbefinden meiner Frau und des Embryos, zum Beispiel. Meine egoistische Sorge, noch weniger Zeit für mich als vorher zu haben, wie auch immer das möglich wäre. Die angenehme Ruhe und Routine dadurch, dass man schon ein Kind erfolgreich bis zu seinem zweieinhalbten Geburtstag manövriert hat. Solche Sachen. Als mich aber die Beleghebamme im Kreißsaal beiläufig fragte, ob ich eigentlich über die Geburt bloggen würde, verneinte ich vorsichtig.  Hier fünf Gründe dafür beziehungsweise dagegen.

1. Meine Frau war schwanger, nicht ich


Und deshalb war es auch sie, die die physischen und psychischen Höhen und Tiefen einer Schwangerschaft und einer Geburt durchlebt. Wer wäre ich, mich jammernd, schulterklopfend oder Verständnis heuchelnd darüber zu stellen? Nein, ich kann mir die Schlafprobleme in der 38. SSW oder die Wehenschmerzen nicht vorstellen. Und ich glaube nicht, dass das irgendein Mann kann.

Fast all die obigen Beispiele eint, dass es die Frauen waren, die schrieben. Die, auf denen all die Last und Arbeit und Sorgen liegen, aber eben auch die, denen eine Schwangerschaft körperlich und emotional noch viel viel näher geht als den Männern an ihrer Seite. Zwar habe ich als Mann eine andere Sicht auf die Geschehnisse. Aber wenn wer entscheidet, welche Details daraus an die Öffentlichkeit gelangen und welche nicht, dann die Frau. Übelkeit, Frauenarzt-Gewichtsprognosen, dumme Sprüche, Blasensprung, Kreißsaal-Hektik oder -Ruhe. Sowas eben.

Meine Frau ist es entsprechend auch, die gut findet, dass es Bloggerinnen, Forumsmütter und weitere „Betroffene“ gibt, die öffentlich ihre Erfahrungen schildern und Probleme benennen, fernab von Frauenmagazins-heile-Welt – und Fachratgeber-Blabla.

2. Was, wenn was ist?

Krankheit, Abbruch, Fehlgeburt – alles mögliche Verläufe, die man sich nicht mal vorstellen will. Und dann nicht nur sich selbst, der Familie, den Nachbarn und den Freunden und Kollegen erklären müssen, was mit dem eigenen Kind los ist, sondern auch Menschen, die man gar nicht kennt? Schon klar, manchen mag das helfen, ob nun als Schreibender oder als Leser. Ich befinde aber für uns:

3. Es geht niemanden was an


Klar, ein Stück Privatsphäre gibt man schon auf, sobald man ins Internet schreibt. Ein Stück mehr noch, wenn man ein sogenanntes Elternblog unterhält. Dort ist jeder Post eine Gratwanderung zwischen Information, Unterhaltung und Persönlichkeitsschutz. Natürlich gäbe es sehr viel aus dieser Zeit zu erzählen. So eine Geburt ist aber nunmal der wohl persönlichste und intimste Moment des gemeinsamen Lebens – und da gilt:

4. Man kann das alles eh nicht in Worte fassen.

Was soll ich auch sagen über das Gefühl des großen Glücks, der Sorge, der Überwältigung, des Drucks, der Verantwortung, des Wunders, das man da erlebt? Ohne in Allgemeinplätze oder hilflose Witze abzudriften und ohne zu privat zu werden? Über Gefühle haben viele andere Menschen schon viele Popsongs und Blogposts zu schreiben versucht. „Männer können seine Gefühle nicht zeigen“, sangen einst schon Fischmob – oder wollen manchmal nicht, sage ich. Auch wenn Janni Orfanidis von „Ich bin Dein Vater“ neulich im Tagesspiegel behauptete, es ginge bloggenden Eltern genau darum: um das Gefühl.

5. Habe sowieso keine Zeit

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3 Comments

  1. Ich wollte nur sagen: Es mag dich vielleicht verwundern, aber zumindest auf „Runzelfüßchen“ lesen auch ziemlich viele Väter mit. Und ja, auch die Posts über so Dinge wie „Wohin mit dem Kind“. Mag zum einen daran liegen, dass mein Mann eben einmal die Woche mitbloggt und zum anderen daran, dass manche Themen eben beide Elternteile interessieren. Ich lese ja auch gern hier, so als Beispiel. :)

  2. Rückblickend auf die Geburt meines einzigen Sohnes und die Zeit, in der meine Frau schwanger war, muss ich leider sagen, dass ich mir das keinesfalls ein zweites Mal antun würde. Sorry, aber das ist meine ehrliche Meinung.

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