Kiezväter (#27): Marlon mit Rosa

Share on Facebook6Share on Google+0Tweet about this on TwitterPin on Pinterest0Share on Tumblr0Email this to someone

Was Väter durch den Kiez treibt. Heute: Marlon mit Rosa am Paul-Lincke-Ufer in Berlin-Kreuzberg.

Sind von Neukölln nach Kreuzberg gezogen und kommen oft und gerne in ihren alten Kiez zurück: Marlon und Rosa am Landwehrkanal

Sind von Neukölln nach Kreuzberg gezogen und kommen oft und gerne in ihren alten Kiez zurück: Marlon und Rosa am Landwehrkanal

Das da oben sind Marlon und Rosa. Marlon ist 35 Jahre, Maler („Nein, kein Lackierer, ich male Bilder“) und seit einem Jahr der Vater von Rosa. Mit ihr ist er gerade auf dem Weg ins auch von uns oft und gern besuchte Familienzentrum Nord-Neukölln (FaNN). Kid B und ich halten ihn an einem Dienstagvormittag im Juli drei Gehminuten davon entfernt, nämlich am Paul-Lincke-Ufer in Kreuzberg, für die folgenden paar Fragen und Antworten auf.

Ein Spaziergang am Dienstagmorgen. Als Maler bist Du offenbar selbständig und flexibel, Marlon.

Ja genau, ich kann mir meine Zeit frei einteilen. Meine Freundin, Rosas Mama, ist Bildhauerin und hat morgen eine Ausstellungseröffnung, deshalb kümmere ich mich im Moment sehr viel um Rosa. Wenn ich wiederum eine Ausstellung habe, machen wir es umgekehrt. Wir sind sehr glücklich, dass es so funktioniert.

Ihr wohnt hier in der Gegend?

Wir sind gerade von der Friedelstraße zum Heinrichplatz gezogen. Weil wir dringend eine größere Wohnung brauchten. Die alte war nicht mehr als ein Loch im Hinterhaus. Außerdem habe ich ein Atelier in Kreuzberg.

Kannst Du es Dir als Selbständiger erlauben, Elternzeit zu nehmen? Also über Wochen oder Monate hinweg gar nicht zu arbeiten?

Ja, doch. Man kann den Flow mit einem Ateliertag in der Woche ganz gut aufrechterhalten. In meinem Beruf geht es um eine große Kontinuität, die man sich bewahren muss. Eine ein- oder zweiwöchige komplette Pause ab und zu aber funktioniert und tut total gut.

Was unternehmt Ihr beiden so außer Spaziergängen? Rosa ist ein Jahr alt, da hält sich der Bewegungsspielraum wahrscheinlich noch in Grenzen.

Spielplätze! Wir erkunden alle Spielplätze hier in der Gegend und gehen gerne in das Familienzentrum hier in der Hobrechtstraße und in das Familienzentrum in Kreuzberg. Dort gibt es sogar ein Bällebad! Dann gibt es noch diverse Kinderbauernhöfe, im Görlitzer Park sowie in der Adalbertstraße gegenüber vom Familienzentrum, zum Beispiel. Freunde besuchen wir auch regelmäßig.

Klingt ganz so, als würdet Ihr mit Kind gerne hier wohnen.

Oh ja. Wir waren am Anfang nervös, als wir aus dieser kinderreichen Ecke hier in Nordneukölln raus nach Kreuzberg gezogen sind an den dichtbefahrenen Heinrichplatz. Aber da ist es fast noch besser.

Warum?

Da sind noch mehr und geilere Spielplätze, zum Beispiel.

Euer Favorit?

Der hinterm Bethanienhaus. Da gibt es eine Seilbahn und andere tolle Sachen.

Ohne Kinder merkt man ja nicht, wie viele Spielplätze es um einen herum wirklich so gibt. Kannst Du Dich an die Zeit vor Rosas Geburt und Deine größten Sorgen erinnern?

Wir hatten eigentlich die ganze Zeit nur Angst vor der Geburt, weil die das Gruseligste ist. Ich habe mich ansonsten total darauf gefreut, dass endlich mal Nachwuchs kommt.

Ohne zu persönlich zu werden: Ihr hattet es also schon länger versucht?

Nee nee, gar nicht. Aber wir sind beide Freiberufler und waren entsprechend nervös. Haben uns schlussendlich doch dazu entschieden es zu versuchen – und dann hat es auf Anhieb geklappt, so herum geht die Geschichte. Meine Freundin ist zum Glück ein bisschen jünger als ich (lacht).

Was vermisst Du aus der kinderlosen Zeit, was läuft noch nicht so perfekt?

Schlaf, den vermisse ich, der hat mir sehr viel Spaß gemacht. Außerdem hatte ich auf eine abstrakte Art Angst davor, dass ich mich verliere. Angst, dass alles anders wird und ich mich darin gar nicht wiederfinden kann. Aber da man sich ja immer in seinem eigenen Zentrum befindet und immer man selbst bleibt, sich bloß alles um einen herum verändert, war’s gar nicht so schlimm. Eine völlig absurde Angst war das, im Nachhinein.

Treibt Dich als Vater gerade ein Thema ganz besonders um? Kita-Suche? Wehwehchen der Tochter?

Rosa entwickelt sich ganz prächtig. Aber die Kita-Suche ist schwierig, das stimmt. Wir haben uns noch nicht allzu intensiv darum gekümmert, und ich habe von Leuten gehört, die auf 40 Wartelisten stehen. Wir stehen auf drei Listen. Von Kitas bei uns in der Nähe. Und hoffen, dass da mal was klappt. Aber wir wollen Rosa auch nicht dringend und unbedingt mit einem Jahr weggeben.

Weil Ihr als Freiberufler Eure Zeit eigenständiger einteilen könnt und nicht als Angestellte in Büros sitzen müsst.

Genau. Aber es ist schon superintensiv, jeden Tag mit der Kleinen zusammen zu sein, wenn man sich das mal nicht 50/50 teilen kann, so wie wir gerade. Eine Entlastung zu haben, wäre schon schön.

Habt Ihr Familie hier?

Rosas Onkel wohnt in Berlin. Und viele Freunde.

Ihr seid also zugezogen?

Ja, aus Mainz und aus Kuchen. Liegt in Baden-Württemberg zwischen Stuttgart und Ulm. Wir studierten beide in Mainz und wechselten später nach Berlin. Sollte man als Künstler tun, wenn man es professioneller meint.

Und Ihr seht mit Kind keinen Grund für einen Umzug oder eine Rückkehr?

Nö. Ich wäre niemals aufs Land gezogen oder an den Stadtrand. Dafür muss man nicht nach Berlin ziehen.

Fällt Dir spontan ein besonders toller Moment ein, den Du zuletzt mit Rosa erlebt hast?

Ja, heute hat sie drei Schritte gemacht! Das war abgefahren.

Und einen Scheißmoment?

Ach, man verdrängt auch wieder viel. Scheiße zum Beispiel ist, wenn man sie in der Trage hat und auf der Straße fies angerempelt wird. Oder du von einem Verrückten blöd angemacht wirst, der nicht schnallt, dass du da dein Baby dabei hast. Unheimlich war auch, als Rosa das erste Mal fies hingefallen ist. Wollte den Stuhl hochklettern, fiel rückwärts auf den Hinterkopf und behielt den Stuhl dabei im Mund.

Aber keine Schäden zurück?

Nee, sie hatte zum Glück auch noch keine Zähne.

Habt Ihr Sorge vor Rosas Älterwerden? Gerade hier in Berlin?

Wir müssen unbedingt sehr offen und sehr vernünftig über Drogen reden! Das ist sehr wichtig.

Du sprichst aus eigener Erfahrung?

Ich spreche aus der Erfahrung aller Menschen die hier leben und die hier aufgewachsen oder geboren oder zugezogen sind. Ich habe schon viele Leute untergehen sehen. Freunde, Feinde und welche dazwischen.

Share on Facebook6Share on Google+0Tweet about this on TwitterPin on Pinterest0Share on Tumblr0Email this to someone
Bookmark the permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

  • Werbung