Kurzer Hassliebesbrief an einen Schnuller

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Lieber Schnuller,

wir kennen uns noch nicht lange, ich muss mich deshalb vorstellen: Fabian heiße ich, bin 35 Jahre alt und Vater zweier Jungs. Der ältere wurde im September drei Jahre alt und wollte Dich als Baby nicht haben, so nahe wir Dich ihm auch legten. Dieses Gefühl der Abweisung mag hart für Dich gewesen sein, für uns und besonders meine Frau war es aber noch viel härter: Zur täglichen und nächtlichen Beruhigung half ihm nichts als Mamas Brust. Den einzigen Vorteil daran erkannten wir erst im Nachhinein: Wir mussten ihm – nicht persönlich nehmen – Dich somit auch nie abgewöhnen.

Rund zweieinhalb Jahre später nach Kid As Geburt gaben wir Dir und uns eine zweite Chance: Im Mai 2016 kam Kid B auf die Welt, und siehe da – er mag Dich! Von Beginn an ließ er sich nicht nur stillen wie ein alter Hase, nein, er akzeptiert auch Dich in seiner kleinen Schnute. Man könnte nun meinen, dies sei der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Und nein, hergeben wollen wir Dich auf keinen Fall: Wie Kid B mit Dir im Mund im Tragetuch oder nachts im Bett zur Ruhe kommt, ist mitunter Friedensnobelpreis-verdächtig und hilft auch Rücken und Gemüt seiner Mutter. Zu einfach machst Du es uns leider trotzdem nicht. Aus den folgenden Gründen.

1. Nicht jeder Schnuller ist ein guter Schnuller

Du kannst nichts dafür, aber: unser Sohn ist wählerisch. Anfangs musste es dieser eine ganz bestimmte Typ von Dir sein, dessen Marke ich hier wegen Vermeidung von Schleichwerbung nicht nenne. Mittlerweile tut’s auch die Ökoversion aus Kautschuk. Die richtige Wahl ist also, einmal rausgefunden, kein Problem mehr.

2. Bleib mal, wo Du hingehörst!

Schwerer wiegt, das unsere ohnehin karge Nachtruhe nun zwar nicht allein von etlichen Stillansätzen, dafür von einem Plop-Geräusch und anschließendem Gejammer unterbrochen wird. Mal stündlich, mal alle 15 Minuten, mal im Zwei-Minuten-Takt. Plopp. Schon wieder. Plopp! Du fällst andauernd raus, Du blödes Ding! Suchen, Reinschieben, Beruhigen, Augen zu. Gerade weggedöst, und wieder: Plopp!

Ja, die Verbesserung dieses nächtlichen Dauerszenarios mag für Kid B und uns eine Frage der Gewöhnung und eine Frage des Tiefschlafes sein. Manchmal vergisst der Kleine Dich sogar stundenlang (sprich: 1-2 Stunden), wenn er erst richtig weggepennt ist. Weil es aber noch ein paar Wochen dauern dürfte, bis Kid B sich Dich auch im Halbschlaf endlich ganz alleine einverleiben kann, habe ich schon an Gaffatape gedacht – und dann an das Jugendamt.

3. Immer bist Du dreckig oder weg

Deine Hygiene lässt manchmal arg zu wünschen übrig. Natürlich sind wir beim zweiten Kind weit weniger pingelig als noch beim ersten. Ich lebe zum Beispiel heimlich die sinnlose 5-Sekunden-Regel, wenn ich zu faul für weitere Sisyphos-Arbeit bin. Aber die gröbsten Staubmäuse, Krümel und unsichtbaren Bakterien, die wollen vorm Einsatz wirklich schon entfernt sein. Wie es überhaupt kommt, dass so ein Zeug andauernd an Dir klebt, fragst Du vorwurfsvoll? Siehe Punkt 2, verdammt!

Die Lösung des Problems ist eine pragmatische: Unsichtbare Bakterien lutschen wir selber runter, waschen Dich fast so regelmäßig wie Kid B mit (dafür heißerem) Wasser und Schrubber ab und stecken Dich und Deine fünf Zwillingsbrüder – damit wenigstens einer von Euch immer zur Hand ist – alle paar Tage in den siedenden Wasserkocher. Keine Ahnung ob Du das magst, aber unserem Gewissen und bestimmt auch der Mundflora von Kid B ist damit geholfen.

So oder so:

Danke, dass es Dich gibt. Bis etwas Effektiveres erfunden ist.

gif-maggie-simpson-schnuller

 

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One Comment

  1. Hallo,

    schöner Artikel, hat mich tatsächlich zum schmunzeln gebracht. Ich glaube das Thema „Schnuller“ ist wirklich überall gleich. 😉

    War eine Freude zu lesen.

    Freue mich auf weitere Artikel.

    Gruss Stoney

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