Urlaub in Israel: Mit Baby auf nach Tel Aviv

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Tel-Aviv-Kinderwagen-Strand-Skyline

Kinderwagen vor Tel Avivs Skyline – die am Strand entlang fast ausschließlich aus Hotels besteht. Zum Leid der alteingesessenen vierstöckigen Hotelchen in der nun zweiten Reihe.

So mutig wie Jochen König war ich nicht. König reiste allein mit seiner Tochter Fritzi durch Israel, gemeinsam trampten sie dort unter anderem durch Eilat, schliefen in Hostels, badeten im Roten Meer, fuhren mit dem Bus von Tel Aviv zum Toten Meer und zurück. König schrieb das für Zeit Online und sich selbst auf. Fritzi ist aber schon vier Jahre alt, Kid A erst ein halbes. Für seine erste Flugreise sollte also Tel Aviv genügen. Eine Stadt, in die uns Easy Jet trotz Verspätung sicher hinbringen sollte und die wir, meine Frau und ich, durch eine vorherige Reise nach Israel schon kannten. Wir wussten also, dass es eine entspannte Woche werden dürfte. Auch, wenn man das mit Israel gemeinhin nicht assoziiert.*

Im Vorfeld der Reise stellten wir an das Ziel nur drei denkbar unspektakuläre Bedingungen: Es sollte möglichst warm und sonnig, nicht zu weit weg und nah am Strand sein. Schön wäre auch, wenn wir – entgegen bisheriger Urlaubsplanungen ohne Baby – den Ort schon kennen, um uns gleich gut zurecht zu finden. Also Tel Aviv, dieses zu unrecht nicht allzu typische Familienurlaubsziel. Eine Stadt, die auf den ersten Spaziergangsblick nur aus Eltern, Hunden und Katzen besteht. Die als Party- und Schwulenmetropole des Nahen Ostens gilt. Deren unterschwelligen Angstzustand man wohl nur spürt, wenn man eine oder die letzte Intifada vor über zehn Jahren persönlich miterleben musste. Die erst 105 Jahre alt ist und den buchstäblich sowie gefühlt westlichsten Punkt in einem Land darstellt, dessen ewiger Konflikt mit Palästina und dessen religiöses Gewicht hier als Tourist kaum spürbar ist. Im Gegenteil: Wüsste ich es nicht besser, ich hielte Tel Aviv für eine der friedlichsten Städte der Welt.

Platsch - das erste Mal im Meer

Platsch – das erste Mal im Meer

Die eigentlichen Planungen vor so einer Reise laufen so profan wie bei fast jedem anderen Ziel ab. Ein Reisepass fürs Kind inklusive biometrischem Foto (ein erfahrener Fotograf kriegt das auch hin, wenn der Fotografierte noch nicht sitzen kann!) muss ein paar Wochen vorher beim örtlichen Bürgeramt beantragt werden; aber Achtung: für Reisen in die USA gelten gesonderte Bestimmungen. Die Packliste selbst sieht mit Baby anders aus als ohne: Kinderwagen mit Tasche, Sitzwippe, Windeln, Feuchttücher, Sonnencreme, Bodies, Strampler und so weiter – da kommt schnell ein extra Köfferchen plus Frachtgepäck zusammen. Und die Vorbereitung fängt beim Gepäck und den Papieren ja nicht erst an: Welche Impfungen braucht so ein Baby vorab, welche weiteren Unterlagen, was muss vor Ort gegeben sein?

„Packen Sie mal ein paar fiebersenkende Zäpfchen mit ein, sicherheitshalber“, sagt der Kinderarzt auf Nachfrage, „alles andere kriegen Sie dort vor Ort, sogar die Zäpfchen. Und notfalls gibt es auch in Israel Kinderärzte!“ Besondere Impfungen außer der dreifachen Sechsfach-Dröhnung, die Kid A schon hinter sich hat, brauche er nicht, „geht ja nicht in die Tropen!“.

Selbst eine Billig-Airline wie Easy Jet zeigt sich fast erstaunlich kulant, was Gepäck und schließliche Wartezeiten am Flughafen (Merke: mit Baby immer Vorrang!) angeht. Zwei Gepäckstücke dürfen wir ohne Aufpreis, den wir für unseren Koffer freilich zahlen müssen, für das Baby aufgeben. Zum Beispiel Kinderwagen und Babyschale, wie Berliner Taxiunternehmen den MaxiCosi ohne Markennennung bezeichnen. Letzteren ließen wir daheim, hätten ihn in Tel Aviv aber gut brauchen können: Solche Sitze seien im Vergleich zu Deutschland in Israel keine Pflicht, erklärte uns der erstbeste Taxigasteinweiser am Ben Gurion International Airport, sein Kind hält man während der Fahrt einfach auf dem Arm fest. Haben wir dann so gemacht, der lautstark telefonierende Taxifahrer fuhr so rasant wie sicher. Erst nach dem Ausstieg sah er das mit Leben gefüllte Tragetuch am Körper meiner Frau: „Oh, a baby, I didn’t see it!“, sagte er und lachte.

Den Hinflug zuvor hatte Kid A trotz zweistündiger Abflugverspätung wegen einer Kollision zwischen Flugzeug und Vogel in Mailand (!) und wenig Schlaf – die Durchsagen an Bord, the announcements on board! – hervorragend gemeistert, Mamas Brust und Nasenspray sei Dank, behaupte ich mal.

In Tel Aviv selbst hatten wir ein Appartement über AirBnB gebucht, was sich als denkbar kluge Entscheidung erwies: Für umgerechnet rund 90 Euro pro Nacht bekamen wir eine saubere und gut ausgestattete Wohnung im vierten Stock (ohne Aufzug, aber das wussten wir vorher) mit Balkon, Jacuzzi, Meerblick, bester Lage zwischen Strand (eine Minute zu Fuß) und Dizengoff St. (zwei Minuten zu Fuß) sowie mit genug Platz für zwei weitere Erwachsene. Und die genossen wir wie erhofft: Mitlesende Eltern wissen, dass Urlaub mit  Kind zwar nichts mehr mit „endlich ausschlafen!“ zu tun hat, wie ja auch kein Wochenende mehr daheim, dafür mit „endlich Zeit“. Wir gingen wie zuhause viel spazieren, nur mit dem Unterschied, dass dies entspannter war, weil keine Arbeit auf dem Tisch oder im Kopf und besseres Wetter rundherum. Und in Tel Aviv kann man wunderbar spazieren und flanieren.

Blick vom Balkon Richtung Mittelmeer - in einer Stadt, wie sie friedlicher kaum wirken könnte.

Blick vom Balkon Richtung Mittelmeer – in einer Stadt, wie sie friedlicher kaum wirken könnte.

Wir flanierten also – mit Baby im Tragetuch oder im Kinderwagen – die Strandpromenade zwischen Hilton Beach und Jaffa entlang, beobachteten Tänzer, Surfer, Jogger, Poser, Strandtennisspieler, Eltern, Hundebesitzer, Partytouristen, Reiche und Arme. Wir liefen die Ben Yehuda Street auf der Suche nach einem bezahlbaren Supermarkt entlang, wir entdeckten auf der Dizengoff Street einmal mehr einen Brautkleidladen neben dem anderen. Wir spazierten so über die King George und Allenby Street, vorbei an diesem einen großen Shoppingcenter bis zur angeblich so trendigen Shenkin Street, von dort aus über den Carmel Market, weiter bis ins Florentinische Viertel und durch Neve Tzedek, die einst erste jüdische Siedlung außerhalb Jaffas, zurück zum Strand. Still- und Wickelpausen legten wir zwangsläufig auf Bänken oder ruhigen Nebenstraßen ein, ein wirkliches Problem war das aber nie. Und abends? Da gingen wir nicht in die Clubs von Tel Aviv, sondern mit schlechtem Gewissen und wohligem Gefühl ins Jacuzzi – der Kleine schlief ja schließlich nebenan. Und danach früh ins Bett.

Diese erste Urlaubsreise mit Baby nach Tel Aviv war übrigens auch die erste Zeit außerhalb der ersten zwei Wochen nach der Geburt, die ich länger als ein Wochenende am Stück mit meiner neuen Familie verbrachte. Ich brauchte ein paar Tage, um nur ansatzweise nachzuempfinden, wie viel Arbeit so ein Kind täglich wirklich mit sich bringt, wie sehr sich alles nach seinem Schlaf richtet und dass es eben doch nicht nur Arbeit ist, sondern eigentlich das Beste und Zeitintensivste auf der Welt. Klar hatte ich ein Buch mitgenommen, und klar habe ich nicht mehr als fünf Seiten daraus gelesen. Urlaub ist mit Baby eben nicht mehr das gleiche wie Urlaub ohne Baby.

Und Jerusalem? Diese zumindest geschichtlich und kulturell ungleich spannendere aufgeladenere Stadt als Tel Aviv haben wir uns nun nicht gegeben, eben weil meine Frau noch stillt und wir unser Glück nicht überstrapazieren wollten. Immerhin waren wir dort bereits zuvor einmal. Und beim nächsten Mal vielleicht wieder, da bin ich dann mutiger. Weil Kid A noch selbstständiger sein wird, und wahrscheinlich sogar muttermilchlos glücklich.

Schalom / שלום !

*In der Nido, Ausgabe 4/2014, etwa beschreibt Julia Amalia Heyer in ihrem Text „Besetzte Kindheit“, wie es Kindern und ihren Familien im besetzten Teil der palästinensischen Stadt Hebron geht. Unter anderem werden sie wegen angeblichen Steinewerfens regelmäßig verhaftet.

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5 Comments

  1. Hi Fabian,

    Tel Aviv. Da werden wunderschöne Erinnerungen wach! Super Wahl für ein gechilltes Urlaubsglück. Ich war mit Freunden vor Jahren dort. Damals noch ohne Kind. Eine faszinierendes Land. Bis heute empfehle ich dieses alles was mit dieser Region zu tun hat, aber kämpfe immer gegen die üblichen Stereotypen an, die Du auch erwähnt hast. Sensationelle Biographien, Menschen, Kulturstätten und Clubs. Ich muss wieder dahin!

    Was hast Du denn für den Flug bezahlt?
    Vg, Babyvater

  2. Hi Fabian,

    Tel Aviv ist eine Wahninnsstadt und Israel ein fazinierendes Land. Ich war dort vor Jahren einen Freund besuchen. Damals noch ohne Kind. In keinem Land habe ich so eine Extreme zwischen Exzess und Frommheit erlebt. Da kriege ich wieder Bock hinzufahren…

    Was hast Du für den Flug bezahlt?
    Vg, Babyvater

    • Huch, hier hatte ich ja noch gar nicht drauf geantwortet. Ich weiß den Flugpreis nicht mehr genau, aber es war recht günstig, vielleicht 400 Euro für zwei Personen hin und zurück, Baby fliegt ja noch umsonst mit. Aktuell sieht das mit den Flugpreisen und der Attraktivität des Ziels natürlich leider wieder anders aus.

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