Vater-Sohn-Besuch im Hallenbad

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Sieht eigentlich verlockend aus: der renovierte Eingangsbereich des Spreewaldbads am Spreewaldplatz in Berlin-Kreuzberg (Foto: Berliner Bäder)

Je beschissener das Wetter da draußen, desto größer die Schweißperlen der Angst auf der Stirn junger Eltern. „Was verdammt nochmal machen mit den Kindern, wenn die Spielplätze Schwimmbädern gleichen?“ Naheliegende Antwort: Wir gehen gleich ins Schwimmbad, na klar! Anfängerfehler. Für diesen Gedanken strafte mich neulich schon der Kassierer im „Spreewaldbad“ in Berlin-Kreuzberg ab, als ich mit meinem zweijährigen Sohn dort Samstagnachmittag auf der Matte stand.

„Macht dann sieben Euro fuffzich“, sagt er regungslos, nachdem ich mit Kid A motiviert den Eingangsbereich betreten habe. „Ich dachte Kinder bis fünf Jahre haben freien Eintritt?“, antworte ich überrascht.

Er: „Hamse auch.“

Ich: „Und warum zahle ich dann 7,50 Euro? Auf Ihrer Homepage steht, der Eintritt kostet für einen Erwachsenen 5,50 Euro.“

Er: „Zwei Euro Freizeitbad-Aufschlag. Steht da auch. Ganz unten.“

Ich: „Damit es keiner liest, verstehe. Unverschämt teuer ist das.“

Er: Schulterzucken.

Die eigentliche Unverschämtheit liegt nicht allein im Preis, sondern an dessen Begründung: Freizeit soll das sein, alleine mit einem Kleinkind voller Hummeln im Hintern „schwimmen“ zu gehen? Wenn der Typ und sein Arbeitgeber wüssten, wie sehr sie mit so einer Erklärung allen Eltern verbal ins Gesicht spucken!

In der Großraum-Umkleidekabine angekommen, gestaltet sich der Ausflug nicht als entspannter. Wer der Aufforderung, man solle die Garderoben nicht mit Straßenschuhen betreten, ernsthaft nachkommt, dürfte auf der Stelle mit Fußpilz dritten Grades bestraft werden. Zweifel sowie alternative Freizeitideen werden in mir laut: Demnächst vielleicht lieber Darkroom als Hallenbad. Dort sieht man all die Schamhaare auf dem Boden wenigstens nicht.

Der Umziehakt gleicht diesem Spiel von Pippi Langstrumpf, in dem man unter keinen Umständen den Boden berühren darf. Verloren hätte womöglich Kid A, wenn ich ihn als guter Verlierer und Vater nicht aus Hygiene- und Fluchtgründen durch die Katakomben und Duschen getragen hätte – vorbei an nackten Männern, gröhlenden Kindern und weit und breit keinem Fußdesinfektionsspray. Nur der Zeltplatz bei „Rock am Ring“ ist schlimmer.

Im Kinderschwimmbereich angekommen, droht der ganze bisherige Aufwand für die Katz‘ gewesen zu sein. Kid A kann zwar noch nicht in vollständigen Sätzen reden, aber seine wiederholten „Nein nein nein“-Rufe verraten auch einem Blinden: Der will partout nicht in dieses Planschbecken. „Wir“ versuchen es trotzdem, vielleicht braucht er bloß Starthilfe und noch wärmeres Wasser. Im Kroatien-Urlaub und beim Babyschwimmen hat ihm Baden doch auch Spaß gemacht!

Auf diesem Bild ist ein zweijähriger Junge versteckt.

Auf diesem Bild ist ein zweijähriger Junge versteckt.

Ich brauche ein paar Minuten um zu kapieren, dass Kid A mir auch hier gedanklich voraus ist. Im Wellenbad nebenan höre und sehe ich vergnügt kreischende Blagen… na klar, der Freizeitbad-Aufschlag! Nutzen, was wir bezahlt haben! Diese „All you can eat“-Einstellung hat er von mir! Schnell rüber. Die Wellen enden zwar mit unserer Ankunft, aber das ist dem Kind dann auch egal. Knietief im Chlor waten, den Kids beim Ballspiel zusehen und sich soweit reintrauen, wie Papa einen trägt – für zehn Minuten suhlen wir uns im vermeintlichen Planschparadies. Vermeintlich, weil ich nicht nur wegen des Chlorgehalts die Augen lieber geschlossen ließe: Wahrscheinlich, dass man hier mehr Maurerdekolletés sieht als am BER Handwerker.

30 Minuten und einen vom anwesenden „Radio Teddy“-Promoteam („Sie werden Spaß haben!“, hieß es dazu selbstbewusst auf der Schwimmbad-Homepage) geschenkten Wasserball später ist der Spaß vorbei: Kid A zittert vor Kälte, lässt sich die für Kleinkinder zu niedrige Raumtemperatur außerhalb des Wassers aber sonst nicht anmerken. Trotz warmer Dusche verliere ich Schweißperlen beim Umziehen, weil das Pippi-Langstrumpf-Spiel von vorne losgeht. Zum Glück hat Sohn das nun kapiert und versteckt sich vergnügt in den Kleiderschränken (siehe Foto).

Beim Rausgehen entdecke ich ein Werbeplakat: „Angesagt und voll im Trend: Meerjungfrauenschwimmen“, heißt es darauf verlockend. Und klar: 7,50 Euro für 30 Minuten würde ich auf der Stelle dafür zahlen, wenn ich den Preisgestaltern der Berliner Bäderbetriebe die Beine dafür persönlich zusammenknoten darf. Ich nenne es „Freizeitaufschlag“.

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