Familienurlaub im Spreewald – ein Versuch

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Hauptsache raus aus Stadt und Alltag: Statt weitem Flug ins Warme fuhren wir in den nahen und kalten Spreewald. Protokoll eines Kurztrips mit krankem Kind.

Nur echt mit Deppenleerzeichen: die Spreewald Therme. Könnte wie vielerorts ganz angenehm da sein - wenn bloß die anderen Menschen nicht wären.

Nur echt mit Deppenleerzeichen: die Spreewald Therme. Könnte wie vielerorts ganz angenehm da sein – wenn bloß die anderen Menschen nicht wären.

Über Sinn und Unsinn von Urlaub mit Kindern kann bekanntlich fleißig gestritten werden. „PapaDoc“ von IchbindeinVater.de zum Beispiel argumentierte einst gegen Reisen mit Baby und lenkte später ein, und auch ich konnte 2014, nach fünfwöchiger Wohnmobiltour durch die Schweiz und Frankreich mit Frau, dem damals sechs Monate jungen Kid A und einer vorausgegangenen Reise nach Tel Aviv, resümieren: Verdammt, das klappte ja besser als erhofft. Heute aber ist der Junge ein wenn nicht gerade erkältetes, dann sehr sehr quirliges Kleinkind, und hätte ich im Vorfeld geahnt, wie unser dreitägiger Kurzurlaub in den Spreewald ausgehen würde, wäre ich vielleicht auf halber Strecke lieber beim Schild „Tropical Island“ abgefahren. Aber sich in Brandenburg Richtung Sachsen wegen Ahnungslosigkeit nach rechts zu orientieren, war bekanntlich noch nie eine gute Idee.

Die erste Enttäuschung folgt gleich nach Ankunft im Touriörtchen Burg, das laut Karte mitten im Spreewald liegt: Wo ist denn dieser Wald, von dem alle sprechen? Nichts als Felder, Wiesen, Fußwege und zwischendurch ein paar kahle Bäume. Da hätte ich ja gleich an den guten alten Niederrhein fahren können! Das Dorf selbst hingegen erfüllte alle Erwartungen, die man als Wessi so vom ehemaligen Osten als Klischees pflegte: Boutiquen heißen „By Kathrin“, eine Einkehr ist stolz auf ihr Eisbein, die Bürgersteige sind – abseits der Saison – selbst am Montag hochgeklappt. Die Straßenschilder kommen in deutsch und polnisch sorbisch daher (wenn das der Führer wüsste!), von Kabel eins ausgezeichnete Erlebnisgastronomie darf sich hier nennen, wer LED-Kaminfeuer und Tracy Chapman auf Repeat bietet. Ich müsste unbedingt ein Restaurant im Spreewald aufmachen. Weil ich es könnte!

Ich glaube nicht. Ein von fabian. (@whatthefab) gepostetes Foto am

Dass wir am ersten Nachmittag mit einem Besuch in den bekannten Spreewaldthermen gleich das High- und Lowlight gleichermaßen unseren Kurztrips erlebten, war uns zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst. Kid A hatte dank Kinderbecken, der warmen Wasser- und Lufttemperatur sowie Nudellunch drei Stunden seinen Spaß, und abgesehen von den Eintrittspreisen gefiel auch seinen Eltern, was sie erlebten. Einfach deshalb, weil es ihm gefiel und weil wir die Realität versuchsweise ausblendeten. Die holte uns beim zweiten Besuch, zwei Tage später, umso bedrückender ein.

Pause in den Spreewaldthermen: Klatschblättchen, Kaffee und Kartoffelsuppe

Am Rande der Landstraße, die sich an den Spreewaldthermen vorbeischlängelt, erinnert ein selbstgebasteltes Poster an einen Autounfall: Der 27-jährige Norman Lee G. sei hier 2009 „grausam ermordet“ worden, steht da. Ein Crash unter Fremdeinwirkung mit Todesfolge? Das ist selbstverständlich grausam. Leider kommen wir nicht umhin, uns bei allem Respekt auch vor dem Vornamen zu schaudern. Offensichtlich haben Osteltern bereits in den Achtzigern begonnen, den Westen zu begrüßen und die Mauer einzureißen – mit ihren Kindern als Waffe. Im Schwimmbad selbst erblicken wir später einen jungen Mann, auf dessen Oberarm ein Tattoo mit dem Schriftzug „Jason Tiger, 5.2.2014“ prangt. Wenn das wirklich der Name seines Erstgeborenen sein soll, drängt sich die gar nicht so pietätlos gemeinte Frage auf: Ist Norman Lee umsonst gestorben?

Eine beigefarbene Armee der Inkontinenz: Spaziergänger in Burg (Spreewald). Einer von ihnen war mal Punk.

Eine beigefarbene Armee der Inkontinenz: Spaziergänger in Burg (Spreewald). Einer von ihnen war mal Punk.

Der Anblick von Menschen unter 60 sollte eine Ausnahme bleiben. Die Stammkundschaft im Solebad formiert sich nämlich jeden Morgen als eine beige Armee der Inkontinenz. Man sieht sie nicht kommen, weil sie die Luftbrücke vom angrenzenden Hotel zu den Thermen nehmen. Aber sie sind unübersehbar da: Mehr faltige Rentnerpimmel als ich in der Herrendusche haben wohl nur Sophia Wollersheim, Nathalie Volk oder ein Zivi im Altersheim gesehen. Auch obenherum tragen Männer Minipli. Nach dem Bade föhnen die Frauen ihre vor Tagen aufgewickelten grauen Locken in einem Versuch von Restwürde. Wer würde es ihnen verübeln können.

Der erneute Besuch der Spreewaldtherme war aber auch abgesehen von der Restkundschaft eine schlechte Idee. Kid A war nämlich schon am Abend von Tag 1 so fiebrig, dass wir Tag 2 mit Kurzspaziergängen und Mittagsschlaf rumkriegen mussten. Als wir an Tag 3 – von dem bisschen Krankheit lassen wir uns und ihm die heißgeliebten Therme doch nicht vollends nehmen! – trotzdem und erneut aufliefen, schlief er nach einer Stunde ermattet ein. Den Rest des Tages verbrachte er schlafend auf dem Arm, während wir uns, zurück im Appartment, abwechselnd um Wellness und Essen aus dem Supermarkt bemühten. Abends schauten wir zu Kaminfeuer den „Bachelor“ im Fernsehen und verbrachten somit einen Abend wie… jeden anderen zuhause. Nur ohne Arbeitstag davor und mit Kaminfeuer.

Cagefight für Kleinkinder: Kid A zu Besuch bei Spreewald-Ziegen. Die anderen Tiere haben ihn gar nicht interessiert.

Cagefight für Kleinkinder: Kid A zu Besuch bei Spreewald-Ziegen. Die anderen Tiere haben ihn gar nicht interessiert.

Der Fairness halber muss ich sagen, dass der Spreewald auch seine schönen Seiten hat. Unser empfehlenswerter Appartement-Komplex war unter all den Pensionen und Kurzimmern in der Gegend wahrscheinlich der stilsicherste weit und breit. Und auch außerhalb dieser gemütlichen vier Wände hatten wir ein bisschen Urlaub: Dank Schneefall lieferten Kid A und ich uns eine Mini-Runde Schneeballschlacht, einen Streichelzoo ein paar Kilometer weiter besuchten wir auch. Am Ende haben wir sogar Wasser unter Baumwipfeln, Kanäle, wilde Rehe und Fußspuren anderer Tiere gesehen, von denen meine Frau glaubte, es müsse sich dabei um die gemeinen Spreegurken-Zwerge handeln. Aber den gemeinsten, weil angeschlagensten, hatten wir ja selbst dabei. Und für Kinderkrankheiten kann selbst der Spreewald nichts.

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4 Comments

  1. Klingt zwar nicht optimal, aber die Appartmentanlage sieht echt gut aus. Wenn ich mal im Spreewald Urlaub machen will würde ich die im Auge behalten. Für uns gehts aber erstmal dieses Jahr wieder an die Nordsee…

  2. Warum müssen Leute wie Du immer so ein Sendungsbewusstsein haben? Überhaupt, wo kommt bei Menschen wie Dir, eigentlich dieses Selbstbewusstsein her, die Welt mit Deiner unlustigen Meinung zu belästigen? Was soll bloß aus Deinen Kindern werden, wenn die Eltern sowas verzapfen – verbring doch lieber mehr Zeit mit Deinen Kindern – würde der Welt, Dir und Deinen Kindern mehr bringen als diese polemischen und unlustigen Blogeinträge, wo Du Dich nicht zu schade bist, Dich über Tote lustig zu machen…

    • Mensch Toby, ich mache mich doch gar nicht über Tote lustig! Sollte an der von Dir gemeinten Stelle doch mehr als deutlich werden. So, und nun gehe doch bitte Du auch lieber mit Deinen Kindern spielen, anstatt Dich über Blogposts aufzuregen, weil Du sie nicht lustig findest. Zwingt Dich ja keiner dazu.

  3. Ich kann dir nur Antworten Normen Lee G.ist nich nur aus aus Spaß und Laune dort gestorben….Es bringt uns permanent uns als Anwohner in Range wenn die Plakate dort aufgegangen werden….Leider hsben wir keinr Handhabe dagegeb …Für genauere Informationen bitte mich persönlich anschreiben….Es war ein toller Mensch!!

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