Streaming-Tipp: Mystery-Serie „Stranger Things“ auf Netflix

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Wie „Alien“ für Kinder oder „E.T.“ für Erwachsene: In der neuen Netflix-Serie „Stranger Things“ mit Winona Ryder suchen drei Jungs ihren verschwundenen Kumpel – und finden Übernatürliches.

Trauen manchmal ihren Augen nicht, aber immer ihren Herzen: Lukas, Dustin, Mike und Eleven in „Stranger Things“ (Foto: Netflix)

Trauen manchmal ihren Augen nicht, aber immer ihren Herzen: Lukas, Dustin, Mike und Eleven in „Stranger Things“ (Foto: Netflix)

Es gibt wohl nichts Schlimmeres für Eltern, als ihr eigenes Kind zu verlieren. Das ist im echten Leben so und deshalb von „Peter Pan“ über „Findet Nemo“ bis „Prisoners“, „The Killing“ und „The Leftovers“ Ausgangspunkt etlicher Fiktionen in Film, Fernsehen und Literatur. Dieses Horrorszenario hat sich auch die neue, bisher eine Staffel und acht Folgen lange Netflix-Serie „Stranger Things“ zu Eigen gemacht. Bloß: Bei diesem Horror alleine bleibt es nicht.

Hawkins im US-Bundesstaat Indiana, 1983. Die vielleicht zwölfjährigen Lukas, Dustin, Mike und Will sind beste Kumpels. Mit ihren Fahrrädern erkunden sie täglich ihre Kleinstadt und deren Umgebung, so auch an jenem folgenschweren Tag: Auf dem Heimweg erscheint Will eine dunkle Gestalt. Vor Schreck flüchtet er sich in den Wald, rennt nach Hause, versteckt sich im Gartenhäuschen und sieht sich plötzlich mit Stromausfällen und dem monsterhaften Wesen konfrontiert. Nervös sucht er nach Luftgewehr und Patronen und findet sie – wir befinden uns schließlich in den USA -, doch was passiert dann? Schnitt. Vorspann. Will ist verschwunden, „Stranger Things“ beginnt.

Was in den folgenden acht Episoden erzählt wird, dürfte dem geneigten Fan von Drama-, Mystery- und Sci-Fi-Serien und -Filmen sehr bekannt vorkommen und ihn trotzdem packen: Wills alleinerziehende Mutter Joyce (daueraufgeregt mit dem immer gleichen Wahnsinn im Gesicht: Winona Ryder) und ihr älterer Sohn Charlie suchen den verlorenen Jungen mithilfe von Polizeichef Jim Hopper. Ihnen wird bald klar, dass hinter dem Verschwinden größere Mächte stecken müssen: Dem scheinbaren Wahnsinn verfallend nimmt Joyce über flirrende Glühbirnen Kontakt mit ihrem totgeglaubten Sohn auf, während Hopper den neuen Fall mit älteren Fällen in Verbindung bringt. Als sich zudem die Landespolizei einmischt und ein weiterer unerklärlicher Mord passiert, ist sich Kleinstadtpolizist Hopper sicher: Er ist einer verdammt großen und gefährlichen Verschwörung auf der Spur.

Den gleichen Verdacht schöpfen auch Lukas, Dustin und Mike. Nach Wills Verschwinden treffen sie ein kahlgeschorenes Mädchen, das sich nach dem Nummerntattoo auf ihrem Unterarm Eleven nennt. Durch eingespielte Flashbacks von ihr erfährt der Zuschauer: Elfie, wie die Jungs ihre neue Freundin rufen, ist auf der Flucht vor bösen Männern, die in einem Labor Experimente mit ihr unternahmen. Die sind aber nicht nur eine Gefahr für das Mädchen, sondern auch umgekehrt: Eleven hat übernatürliche Fähigkeiten, kann etwa durch Telekinetik Menschen umbringen, Dinge bewegen und mit Will im Jenseits, Diesseits oder einer anderen Dimension, man weiß es nicht so genau, kommunizieren.

„Stranger Things“ ist eine Hommage an die 80er – und ein Liebesbrief an Kinder

„Stranger Things“ von den Duffer Brothers ist in Bild, Ton, Musik und Handlung eine Hommage an die Popkultur der achtziger Jahre: Im Fernsehen läuft „He-Man“, im Radio „Should I Stay Or Should I Go“, im Abspann Joy Division. An der Wand hängt ein Poster vom „Weißen Hai“. Wie in „E.T.“ jagen nerdige und liebenswürdige Kids auf ihren BMX-Rädern ihrer Intuition hinterher, wie in „Alien“ wird das Unbekannte als schleimig-waberndes Monster inszeniert. Wie in Lynchs „Twin Peaks“ ist eine Stadt in Aufruhr, ein bisschen Teenie-Kram gibt es on top. Mystery- und Sci-Fi-Experte JJ Abrams („Lost“, „Star Wars“) hatte bereits 2011 eine ähnlich nostalgische, nur weniger gruselige Geschichte mit Steven Spielberg fürs Kino verfilmt, „Super 8“, und so liegt es nahe, dass US-Kritiker „Stranger Things“ unter anderem attestieren, die Serie sei wie „die Show, die Steven Spielberg und Stephen King niemals gemacht haben“ (via ZEIT Online).

Vor allen Dingen aber ist „Stranger Things“ eine Serie, die man sich als Erwachsener wie ein kleines Kind anguckt: Gebannt, verstört, bewegt und begeistert sitzt man da, wenn zum Beispiel Eleven ihre neuen Freunde mit ihren Superkräften gegen die prügelnden Rowdies von der High School verteidigt. Wenn der Lehrer den Jungs anhand eines Seiltänzers und eines Flohs anschaulich erklärt, was eine andere Dimension ist und wie man theoretisch dorthin reisen könnte. Oder einfach dann, wenn der lispelnde Dustin unter seinem Lockenkopf und der Baseball-Cap sein breitestes Grinsen und einen schlauen Spruch aufsetzt. Doch auch wenn Wills Mom Joyce ihrem Sohn in einer Rückblende großzügig Kinotickets für „Poltergeist“ schenkte: Für Kinder selbst ist „Stranger Things“ freilich noch nicht zu empfehlen, die sollen lieber mit „E.T.“ anfangen. Aber für ihre Eltern.

Die 1. Staffel „Stranger Things“ von den Duffer Brothers mit Winona Ryder, David Harbour, Millie Bobby Brown u.v.m. ist seit dem 15. Juli 2016 in Deutschland auf Netflix im Stream zu sehen.

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