Kiezväter (#29): Travis mit Arik und Olin (Lollapalooza-Edition)

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Was Väter durch den Kiez treibt. Heute beziehungsweise im vergangenen September: Travis mit seinen zwei Söhnen beim Lollapalooza Festival 2016 im Treptower Park.

Hat keine fünf Minuten Ruhe mehr, seit zwei Kinder da sind: Travis mit Arik und Olin

Hat keine fünf Minuten Ruhe mehr, seit zwei Kinder da sind: Travis mit Arik und Olin

Das Lollapalooza Berlin 2017 rückt in immer greifbarere Nähe. Nachdem die Veranstalter über Monate hinweg nichts als das kommende Datum kommunizierten und damit schon Tickets verkaufen wollten, ließen sie im Februar endlich die Katze aus dem Sack: Das dritte Lollapalooza Festival in Berlin wird wie angekündigt weder in Tempelhof noch im Treptowe Park, sondern auf der Rennbahn Hoppegarten stattfinden – und damit streng genommen gar nicht in Berlin, sondern in Brandenburg. Aber wer wird bei dem Line-up schon kleinlich sein: Als Headliner treten Mumford & Sons, die Foo Fighters und The xx auf, außerdem dürften unter anderem die Beatsteaks, Wanda und Django Django für Stimmung sorgen. Das Programm fürs innerhalb des Lollapalooza stattfindenden Kidzapalooza steht noch nicht, aber wer schon 2015 und 2016 mit seinem Nachwuchs vor Ort war, der weiß trotz einiger Kritikpunkte wie Wegzeiten (2016), Sanitärbereiche und Gastroangebote (2015): Wenn schon auf ein Festival mit Kindern, dann auf das Lollapalooza.

Als kleinen Rückblick auf das Lollapalooza 2016 in Berlin präsentiere ich Euch nach Florian und Helena hier eine weitere, kaum verspätete Festival-Version unserer Kiezväter-Reihe – wir trafen am Festivalsamstag nämlich auch noch Travis mit seiner Familie, die in Friedrichshain wohnen.

Travis ist 34, stammt wie seine Frau aus Seattle, arbeitete früher als Banker und hilft heute einem Freund beim Deutschlandvertrieb vom Zahnersatzmaterial Zirkonoxid. Seine Söhne Arik und Olin sind ein beziehungsweise fünf Jahre alt.

Hey Travis, Ihr seid offenbar gerade erst auf dem Festival angekommen. Wie ist Dein erster Eindruck?

Wir waren letztes Jahr auch hier, da war es irgendwie offener. Auch das Kidzapalooza kam mir größer vor. Gut ist es trotzdem. Man kommt mit Kindern einfach durch den Park. Nur die Wegführung vom S-Bahnhof Plänterwald, an dem man als Familie aussteigen sollte, bis zum Familieneingang und von dort bis zum Kidzapalooza-Bereich, die ging gar nicht. Vom Ausstieg mit der Bahn bis hier hat es eine Dreiviertelstunde gedauert.

Grundsätzlich aber klappt es gut, mit zwei Kindern Unternehmungen zu wagen? Sprich: Bedeutet so ein Festivalbesuch auch Entspannung für Euch als Eltern oder nur Stress?

Entspannung ist es jetzt gerade, wo wir endlich im Schatten stehen! Wir wollen uns auch Musik angucken, haben wir letztes Jahr auch geschafft. Uns geht es darum, etwas zusammen zu erleben. Wir lieben beide Musik. Dass das hier mit Kindern geht, finde ich gut. In den Staaten geht sowas nicht.

Das Lollapalooza kommt doch ursprünglich aus Chicago und findet dort jährlich statt.

Schon, aber Kinder und Bier, das geht in den USA nicht zusammen. Hier in Berlin ist eh alles relaxter.

Welche Acts willst Du Dir heute denn konkret angucken?

Die Kaiser Chiefs, später auch G-Eazy. Aber bis dahin sind die Kinder schon jenseits von Gut und Böse! Mal sehen wie sie durchhalten.

Ich fasse zusammen: Negativ ist der Weg. Positiv die Offenheit des Geländes und die Vereinbarkeit von Musik und Kindern. Im Direktvergleich: Tempelhof oder Treptow? Beides werden wir 2017 nicht mehr wieder kriegen.

Hier herrscht ein ganz anderes Gefühl als in Tempelhof. Dort konnte man alles sehen, hatte einen besseren Überblick. Hier läuft man dafür schöner, weil man mitten im Park ist.

Dein älterer Sohn ist 5, Vatersein mittlerweile wohl Normalität. Erinnerst Du Dich trotzdem noch an die Zeit zurück, bevor Ihr Kinder hattet? Was war cooler, was vermisst Du, was geht heute gar nicht mehr?

Vor Ort ist das Problem: Irgendwann müssen wir erst die Kinder nach hause bringen und dann wieder kommen, wenn wir die Headliner sehen wollen. Allgemein? Mit einem Kind hattest du zwischendurch noch mal fünf Minuten für dich selbst. Mit zwei Kindern kannst du das vergessen.

Und damit auch Konzerte.

Früher in Seattle waren wir noch öfter in der riesigen Musikszene unterwegs. Das vermissen wir.

Mein älterer Sohn ist knapp 3, und noch ist ihm eher wurscht, ob wir hier sind oder auf einem Spielplatz. Hauptsache, er kann rennen und sich umsehen. Dass wir hier sind, ist also vor allem unserem eigenen Wunsch nach Abwechslung geschuldet. Mehr Stress als Entspannung ist es trotzdem.

Unser Großer ist ganz großer Musikfan, tanzt oft. Sehen wir Livebands auf Festivals, steht er plötzlich still und will sich nicht bewegen.

Lass mich raten: Und abends erst fällt ihm ein, was er tagsüber erlebt hat!

Haha, genau.

Sonst kommt Ihr auch gut klar in Berlin mit zwei Kindern?

Ja, sehr. Eigentlich wollten wir nur ein Jahr bleiben, das ist aber mittlerweile sieben Jahre her. Das Leben hier ist sehr relaxed, besonders für Familien. Meiner Frau zum Beispiel haben sie ihren Arbeitsplatz für drei Jahre freigehalten. In den Staaten wäre das unmöglich gewesen.

Dort habt Ihr Euch kennengelernt?

Ja, sie ist Halbdeutsche. Wir haben aber schon in Seattle zusammengewohnt. Hier wollten wir eine kleine Auszeit machen. Aber schon die Parks hier sind viel familienfreundlicher!

Was hat sich konkret mit der Geburt des zweiten Kindes nochmal verändert für Euch?

Anfangs dachten wir, dass es schon nicht so schwierig werden könne. Schließlich haben wir Erfahrung. Aber die Beziehung unter den beiden war anfangs schwierig, da kommt schon mal Neid auf. Das funktioniert mittlerweile besser, dafür aber sind nun die Bettzeiten verschieden. Ein Kind bringst du ins Bett und hast dann zwei Stunden alleine. Mit zwei Kindern geht selbst das nicht mehr.

Seit über einem Jahr lebt Ihr nun mit zwei Kindern. Kann man sich da nicht irgendwann ein drittes vorstellen?

Nein, definitiv nicht! Also: ich nicht. Mit zwei Kindern ist es anstrengend, aber immer noch irgendwie machbar. Sobald aber mehr Kinder als Eltern da sind, kann ich mir das nicht mehr vorstellen.

Ihr habt wahrscheinlich auch keine Familie hier in Berlin?

Nein, und das ist scheiße.

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